Stadtverwaltung äußert sich zu Vorwürfen
Bild: Dinkels
Vier Sporthallen sind bisher belegt. Das Bild zeigt die Sporthalle Nord an der Ahornallee.
Bild: Dinkels

„Seitens der Stadt sind vom Eingang des Amtshilfeersuchens der Bezirksregierung zur Belegung der Hallen in Spexard und Friedrichsdorf Gespräche mit den dort betroffenen Vereinen, mit dem Stadtsportverband und anderen Vereinen geführt worden. Den konstruktiven Umgang mit der Entwicklung und den damit verbundenen Beeinträchtigungen für den Vereinssport hat die Verwaltung stets mit Respekt betrachtet und sich daher darum bemüht, die nachteiligen Auswirkungen für den Sport so lange wie möglich gering zu halten. Dass angesichts der ständig steigenden Zahl von Flüchtlingen in Deutschland, in NRW und somit auch in Gütersloh spürbare Einschränkungen nicht mehr zu vermeiden seien, hat die Stadt mehrfach klar und deutlich gesagt. Daher überrascht die Heftigkeit der Vorwürfe, die jetzt offenbar in einem Pressegespräch vorgetragen worden sind – bei allem Verständnis dafür, dass die Situation aus Sicht der Vereine nicht befriedigend ist.

Information durch die Stadt

Auch für die Stadt ist die Situation schwierig. Die Zuweisungen durch das Land erfolgen sehr kurzfristig und sind in keiner Weise planbar. Lagen die Zahlen bis vor wenigen Wochen bei 30-40 Personen pro Woche, sind sie innerhalb kürzester Zeit auf 70-80 in der Woche gestiegen. Allein im Dezember wurden 270 Flüchtlinge nach Gütersloh zugewiesen. Datenblätter des Landes, aus denen Zuweisungsprognosen abzulesen sein müssten, enthalten widersprüchliche Zahlen und schwanken zum Teil von Tag zu Tag in einer Breite, die keine zuverlässige Planung ermöglicht. Deshalb stehen die Mitarbeiter der Stadt letztlich immer wieder vor der Situation, kurzfristig einer größeren Zahl von Menschen ein Dach über dem Kopf zu schaffen. Gleichwohl hat die Stadt angesichts der möglicherweise zu erwartenden rund 1600 Flüchtlinge im kommenden Jahr eine kurz- und mittelfristige Planung vorgestellt, die unter anderem die Schaffung von 180 Wohneinheiten im ersten Quartal des Jahres 2016 umfasst.

Sporthallennutzung

Zur Erinnerung: Die Sporthallen in Spexard und Friedrichsdorf wurden konkret seitens der Bezirksregierung als Erstaufnahmeeinrichtungen angefordert, da sie seinerzeit unter Nutzung von Landesmitteln errichtet wurden. Es gab keine realistische Chance, sich dem von dort gestellten Amtshilfeersuchen zu verschließen. Aber angesichts der errechneten Zahlen wird man auch im kommenden Jahr voraussichtlich nicht ohne Übergangslösungen auskommen. Welche Immobilien aus dem schulischen bzw. sportlichen Bereich für die weitere Unterbringung genutzt werden müssen, wird zurzeit geprüft. Niemand kann voraussagen, wie lange die Sporthallen genutzt werden müssen. Es ist davon auszugehen, dass bei gleich bleibenden Zahlen der Zuweisung eine Nachnutzung der bisher als Erstaufnahmeeinrichtung betriebenen Sporthallen dann für die Unterbringung zugewiesener Flüchtlinge nötig werden kann.

Nutzung anderer Immobilien

Was Wohnungen und Unterkünfte für die zugewiesenen Asylsuchenden angeht, so haben sich alle mit der Thematik befassten städtischen Fachbereiche im Jahr 2015 intensiv um die Bereitstellung von Unterkünften gekümmert, Wohnraum wurde angemietet, gekauft und hergerichtet (z.B. Spiekergarten). Anders als in vielen anderen Städten und Gemeinden musste hier erst spät auf Sporthallen zurückgegriffen werden. Es ist also mitnichten so, dass die Stadt bei der Herrichtung von Hallen den „Weg des geringsten Widerstands“ geht. Wenn der Vorwurf zuträfe, wären Sporthallen - wie in vielen anderen Kommunen - schon 2014 oder Anfang 2015 genutzt worden. Die Stadt Gütersloh bemüht sich zudem intensiv darum, dass nicht eine einzige Schule oder nur wenige Vereine belastet, sondern die Einschränkungen gerecht auf viele Schultern verteilt werden. Auch weiterhin wird jedes sich anbietende Objekt quer durch die ganze Stadt auf seine Eignung geprüft und, wenn möglich, genutzt. Zurzeit umfasst die Prüfliste mehr als 30 Punkte. Aber nicht jede Immobilie ist geeignet, kurzfristig verfügbar oder wirtschaftlich zu verantworten.

Sportvereine und Integration  

Mit Dankbarkeit und Respekt anerkennt jeder, der in der Stadt einen Einblick in das Thema hat, das hohe ehrenamtliche Engagement der Sportvereine und die Verdienste um die Integration von ausländischen Menschen. Das dokumentiert sich nicht zuletzt in den Beschlüssen der Politik, dem Sport in Gütersloh ein umfangreiches Raumprogramm für seine Trainings- und Wettbewerbsbedarfe zur Verfügung zu stellen, das für die Vereine in aller Regel kostenlos zu nutzen ist. Tatsächlich aber sind wir jetzt in einer Ausnahmesituation, in der – zumindest auf Zeit – Einschränkungen nicht zu vermeiden sind. Dies ist auch gegenüber den Vereinen immer wieder betont worden. Gleichwohl ist zu betonen, dass trotz aller Kurzfristigkeit, die nicht durch mangelnde Planung entsteht, bisher im direkten Gespräch mit den Vereinen und Schulen immer eine Lösung gefunden worden ist.“

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