Stadtwerke führen Jubiläumsreigen an
Vor 150 Jahren wurde die Gütersloher Gasanstalt in Betrieb genommen. Das gilt als Beginn der Stadtwerke. Das Foto ist vom Wasserturm aus aufgenommen, im Hintergrund ist die St.-Pankratius-Kirche zu sehen.

Die „Glocke“ hat einen Blick in die Chroniken geworfen und zeigt, was sich in Gütersloh außerdem jährt.

Vor 150 Jahren schlug mit der Geburtsstunde der ersten zentralen Energieversorgung in Gütersloh gleichzeitig jene der Stadtwerke. Mit der Inbetriebnahme der Gasanstalt im rückwärtigen Bereich im Winkel von Herzebrocker Straße und Barkeystraße bekam die junge Stadt 1862 ihre erste Gasbeleuchtung. Sie profitierte von den Kenntnissen ihres neuen Bürgermeisters Louis von Schell, der im selben Jahr aus Unna gekommen war, wo er schon Erfahrungen mit der dortigen Gasanstalt gesammelt hatte.

Schon damals erhofften die Stadtväter, mit dem Gasgeschäft Überschüsse erzielen zu können, die über den Umweg Gasanstalt für andere Aufgaben in das Stadtsäckel fließen sollten. Das Anlagekapital von 25 000 Talern sollte sich möglichst schnell amortisieren.

Einen Bauentwurf hatte übrigens auch der Architekt Christian Heyden eingereicht. Bei der Gasanstalt kam er nicht zum Zug, dafür aber beim Bau des alten Rathauses, der im selben Jahr begann, und beim Evangelischen Krankenhaus, das 1962 bezogen wurde.

25 Jahre später, 1887, legte der Magistrat am 17. Februar mit dem Grundsatzbeschluss zum Bau eines Wasserwerks und am 4. August mit dem Ausführungsbeschluss den Grundstein für die öffentliche Wasserversorgung. Die zumeist schlechte Qualität des Wassers in den Hausbrunnen machte diesen Schritt vor 125 Jahren erforderlich. Zwei Jahre später wurde das erste Wasserwerk am Langen Weg auf dem früheren Güthschen Kolonat am 1. Oktober in Betrieb genommen.

Vor 100 Jahren, am 12. April, schloss die Stadtverwaltung mit dem damaligen Elektrizitätswerk Westfalen in Bochum einen Stromliefervertrag. Er war zunächst auf 25 Jahre befristet. Überlegungen für ein eigenes städtisches Elektrizitätswerk wurden damit ad acta gelegt.

Mit einer Linie vom Flugplatz an der Marienfelder Straße über den Bahnhof zur Nachrichtenkaserne an der Verler Straße nahmen die Stadtwerke vor 75 Jahren ihren Busbetrieb auf und bekamen damit ihr viertes Standbein. Die Verbindung war offenbar dem Militär geschuldet.

Zum Jubiläum wird erneut, wie schon vor 25 Jahren, eine Chronik verfasst. Die SWG haben einen Historiker mit der Aufgabe betraut. Darüber hinaus soll es im Lauf des Jahres eine Reihe von Veranstaltungen zu Einzelthemen geben. Am Samstag, 8. September, will das Geburtstagskind im Nordbad mit möglichst vielen Güterslohern ein großes Fest feiern, das allerdings noch in der Abstimmung ist.

Vor 200 Jahren gab es in Gütersloh offenbar kein überliefertes Ereignis von Bedeutung. Bis auf einige beseitigte Wasserfurt enthält die Gütersloh-Chronik keinen Eintrag.

Vor 175 Jahren bekam der Buchdrucker und Verleger Carl Bertelsmann (1791 - 1850) am 21. September von der Regierung in Minden die Buchhandelskonzession. Zwei Jahre zuvor hatte er den Verlag gegründet. Der 1. Juli 1835 gilt daher offiziell als Gründungstag des Konzerns. Am 4. Dezember wurde in der Bauerschaft Blankenhagen an der Brockhäger Straße das erste eigene Schulhaus eingeweiht. Es wurde zwischenzeitlich abgerissen.

Vor 150 Jahren begann der Bau des zwei Jahre später fertiggestellten Rathauses nach den Plänen des Architekten Christian Heyden. Am 15. Oktober 1862 wurde an der Bielefelder Chaussee das Evangelische Krankenhaus, Vorläufer des Klinikums, mit damals 13 Betten bezogen. Der Gütersloher Kaufmann Heinrich Barth hatte in seinem Testament festgelegt, dass 10 000 Taler für den Bau und 3000 Taler für die Einrichtung eines Kranken- und Armenhauses für arme evangelische Einwohner der Stadt verwendet werden sollten. Das seit 1939 städtische Haus war bis 1969 in Betrieb und wurde dann abgerissen. Erster Leitender Arzt wurde Dr. Friedrich-Wilhelm Stohlmann. Zwei Diakonissen aus Kaiserswerth übernahmen Krankenpflege und Haushaltsführung. Heute steht an der Stelle an der Berliner Straße das Hermann-Geibel-Haus.

Vor 125 Jahren ging die Apostelkirche gegen eine Entschädigungszahlung in Höhe von 30 000 Mark an die katholische Gemeinde in den alleinigen Besitz der Evanglischen Kirchengemeinde über. Mit einem am 17. November unterzeichneten Vertrag wurde das seit dem Hagener Rezess von 1655 bestehende Simultanverhältnis zwischen den beiden Gemeinden gelöst. Auf 125 Jahre zurück blickt das Städtische Gymnasium, das einstige Schulgebäude an der Moltkestraße wird 100 Jahre alt.

Gegründet wurden 1887 am 12. Oktober die Baumwollweberei Niemöller & Abel, am 1. November die Band und Gurt-Weberei Güth & Wolf sowie das Bäckereigeschäft Fritzenkötter Ecke Berliner und Strengerstraße.

Vor 100 Jahren trat Stadtgärtner Karl Rogge seinen Dienst an und entwarf den Stadtgarten, den heutigen Botanischen Garten. Die 1867 in Bielefeld  gegründete Drahtseilfabrik Gustav Wolf verlegte ihren Sitz nach Gütersloh. 1912 wurden die Kettenwerke Fissenewert sowie die Firma Fritz Husemann gegründet. Der im selben Jahr gegründete „Biochemische Verein“ heißt heute Volksgesundheitsverein.

An der früheren Bahnhof- und heutigen Eickhoffstraße eröffnete das 1998 abgerissene Metropol-Theater (später Stadttheater-Lichtspiele) seine Pforten. Nach der Eingemeindung mehrerer  Bauerschaften 1910 wurde vor 100 Jahren am 5. November 1912 erstmals von allen Güterslohern ein gemeinsamer Stadtrat gewählt. Allerdings floppte die Organisation.

Vor 75 Jahren erwarb die Stadt von der Witwe Friederike Mohn, geborene Bertelsmann, das Gelände des Mohns Park. Im Vertrag vom 16. April 1937 wird der Kaufpreis für das 38 505 Quadratmeter große Gelände auf rund 73 000 Reichsmark beziffert. Die Freilichttribüne wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aus Trümmern errichtet. Am 24. April bezog das Kampfgeschwader IV/254 den Fliegerhorst an der Marienfelder Straße.

Vor 50 Jahren wuchs das achtgeschossige „Hochhaus Köhne“ am Stohlmannplatz in die Höhe. Im Frühjahr legte die Evangelische Gemeinde den Grundstein für den Kirchenneubau „Zum Guten Hirten“ an der Kahlertstraße. Die Stadt nahm im April das Klärwerk Putzhagen in Betrieb, und das Hotel Stadt Hamburg an der Feuerbornstraße wurde eröffnet. Gütersloh, damals 54 200 Einwohner, bekam die vierstellige Postleitzahl 4830.

Vor 25 Jahren am 2. Januar zog das Stadtarchiv in das heutige Domizil an der Hohenzollernstraße. Am 5. Januar bezogen die ersten Bewohner das Seniorenzentrum Am Bachschemm. Am 1. Februar trat mit Annegret Kruse die erste Frauenbeauftragte der Stadt ihren Dienst an. Am 27. April wurde die Feuer- und Rettungswache an der Friedrich-Ebert-Straße eingeweiht. Umbau und Erweiterung kosteten sechs Millionen Mark. Im September bezogen die Malteser Räume der Textilfabrik Niemöller & Abel an der Oststraße.

Die Bertelsmann Stiftung veranstaltete erstmals den Gesangswettbewerb „Neue Stimmen“. An der Kirchstraße ging die untere Ebene des neuen Parkhauses am 9. November in Betrieb. Ab dem 8. Dezember erleichterten Neu- und Umbau von Notfall-Ambulanz, Liegendanfahrt und Aufnahme Personal und Patienten  am Städtischen Krankenhaus das Leben. Quelle: Gütersloh-Chronik, Flöttmann-Verlag

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