Stau vor dem Tor zum Mittelalter
Bild: Dünhölter
Otto III., Graf von Ravensberg, begrüßt seine Gäste.
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Gelbes Licht und mittelalterliche Musik von Fidel, Laute, Harfe, Flöte, Schalmei und Trumscheit umspielt die Gäste. Dann ist nichts mehr, wie es vorher war. Das Jahr 2016 ist vergessen, ab diesem Punkt schreiben wir „Anno 1280“. Zum bereits achten Mal hat Landgraf Norbert von und zu Morkes die Uhr zurückgedreht, und im Auftrag seines Herren Otto III. Graf von Ravensburg das fünf Hektar großes Areal des Hofs Kruse zwischen Isselhorst und Avenwedde-Bahnhof für vier Tage in ein mittelalterliches Dorf samt Heerlager, Märkten, Reiter- und Ritterspielen, Speis und Trank verwandelt.

Warteschlangen am Eingang

Um diese Welt zu erleben, nahmen am Feiertag Fronleichnam etliche tausend Besucher bei bestem Ausflugswetter vor allem in den frühen Nachmittagsstunden 200 bis 300 Meter lange Warteschlangen vor den Brückenzoll-Hütten in Kauf. Was sie danach erlebten, entschädigte allemal für die Wartezeit. In diesem Jahr ist alles noch größer als bei den bisherigen Auflagen. Die Zahl der Heerlager stieg von 65 auf 84; die 100 Marktstände (Vorjahr 80) teilen sich auf in einen Handwerkermarkt sowie ein Pendant mit allerlei anderen Angeboten.

„Holde Maid, was kann ich für euch tun?“

Für Außenstehende gleichsam wundersam wie faszinierend ist dabei nicht nur die Sprache („Seid gegrüßet, holde Maid, was kann ich Gutes für Euch tun?“), Bezeichnungen wie „Jens sien Futterstauer“, auch die Preisangaben Wildschweinburger, Rittersmahl oder Bauerntrank sind in der Währung Taler angegeben. Bezahlt wird – daran merkt man das die Zeitreise eben doch nicht real ist – allerdings in Euro.

Fantasiewelt mit Fabelwesen und tapferen Rittern

Am ersten Tag des Mittelalterfests ließen sich vor allem Familien mit Kindern von der Mischung aus Artistik, Schauspiel, Fabelwesen, edlen Rittersleut und schönen Burgfrauen gefangen nehmen. Bruder Dickbert, der auf salomonische Weise die Entscheidung über Schuld und Unschuld fällte, floss angesichts der Besucherströme der Schweiß von der Stirn. Während er sich neben seinen Folterinstrumenten wie dem Prangermobil oder dem mit sechs Zentimeter langen Nägel gespickten Verhörstuhl in der sengenden Sonne ein Päuschen gönnte, bat er innigst: „Habt Gnade, Herr, habt Gnade. Der Bruder hat zwei Stunden ohne Pause geredet. In fünf Minuten geht es weiter.“

Mehr über die erste Bilanz der Organisatoren des Mittelalterfests lesen Sie in der gedruckten Ausgabe der „Glocke“ vom 28. Mai 2016

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