Steag-Kraftwerk erfolgreich gesprengt
Foto: Hagedorn
Wie geplant ging die sorgfältig vorbereitete Sprengung des ehemaligen Steinkohlekraftwerks am Sonntag über die Bühne. Foto: Hagedorn
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Zunächst brach am Sonntagmorgen der 250 Meter hohe Schornstein der Anlage in einer sogenannten Faltung zusammen. Dabei knickten der gemauerte obere Teil nach Westen, der untere Teil nach Osten um. Minuten später fielen durch weitere elektronische Zündungen das Kesselhaus und der 110 Meter hohe Kühlturm in sich zusammen. Auch der Wäscher der Rauchgasentschwefelungsanlage wurde gesprengt.

Landmarken dem Erdboden gleichgemacht

Die Industriebauten hatten rund 80 Jahre lang das Landschaftsbild im Kreis Unna geprägt. Nun sind die für viele Menschen in der Region typischen Landmarken verschwunden, ein weiteres Kapitel Industriegeschichte im Ruhrgebiet wurde lautstark abgeschlossen. Insgesamt 420 Kilogramm Sprengstoffe hatte das Team des Sprengmeisters in mehr als 2100 Bohrlöcher verteilt. Ergebnis der aufsehenerregenden Maßnahme: Nur Staub und Trümmer blieben übrig. Der Staub wurde mit 3000 Kubikmetern Wasser niedergeschlagen. Per Sprengschnur wurde ein künstlicher Regen erzeugt.

Ergreifender Moment für Lüner Bürger 

„Das war ein ergreifender Moment für die Lünerinnen und Lüner. Hier stand ein Kraftwerk, das den Menschen in der Region 80 Jahre lang die Lebensgrundlage geliefert hat“, sagte Lünens Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns. Jetzt sei etwas weggebrochen. Gleichzeitig erlebten die Bürger aber, dass etwas Neues entstehe. Thomas Hagedorn, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe, ergänzte: „In Zeiten von Flächenknappheit bergen ausgediente Kraftwerksareale enormes Potenzial. Indem wir an Standorten wie Lünen neue Nutzungskonzepte entwickeln, leisten wir einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung einer ganzen Region.“ 

Sprengung im Livestream übertragen

Für die Sprengung war das Gelände weiträumig abgesperrt worden. Die Anwohner wurden in sichere Aufenthaltsbereiche gebracht. Auf dem rund 37 Hektar großen Industrieareal sollen in Zukunft neue Unternehmen angesiedelt werden. Um wegen der Corona-Pandemie Menschenansammlungen zu vermeiden, zeigte Hagedorn die Sprengung in einem Livestream mit Comedian Matze Knop als Moderator. Tausende Interessenten verfolgten das Spektakel im Internet. Der Standort in Lünen war bis zur Stilllegung 2018 das älteste Kraftwerk des Energieerzeugers Steag GmbH und hat früher unter anderem Bahnstrom produziert.

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