Steinmeyer-Orgel kehrt früher zurück
Bild: Dinkels
Die Neuerungen am Spieltisch lässt sich Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann (links) von Orgelbauer Jonas Winter erklären. Der Spieltisch bietet jetzt mehr Möglichkeiten. Mit einem Touchpad (Tastfeld) lassen sich bis zu 99 999 Einstellungen abrufen.
Bild: Dinkels

Man sieht es ihm an: „Ich freue mich schon wahnsinnig“, sagt Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann (54), während er sich von Orgelbauer Jonas Winter die Neuerungen am Spieltisch erklären lässt. Das Instrument soll nach der Renovierung mit moderner Technik nicht nur besser klingen, sondern dem Organisten auch mehr Möglichkeiten bieten.

So ist der Spieltisch digitalisiert und neu geordnet worden. Er hat eine neue Elektrik und Elektronik erhalten – auch wegen des Brandschutzes. Die Zahl der Kabel hat innen deutlich zugenommen. Es wurden ein Display und ein Touchpad hinzugefügt, mit dem sich bis zu 99 999 Einstellungen abrufen lassen sollen. Bothmann: „Man kann viel mehr machen.“ Es wurden Knöpfe und teilweise das Holz ausgetauscht.

Die Pfeifen wurden nach dem Ausbau gereinigt und überholt. Nur die größten, 16 Fuß hohen Pfeifen waren an Ort und Stelle geblieben. Der Motor ist nach Angaben von Jonas Winter noch ausreichend dimensioniert. Allerdings wurde der Gebläsedruck reduziert und damit ein früherer Eingriff korrigiert. Auch der Schalterschrank für die Ausgabe wurde erneuert.

Die Orgel muss auf vielfache Weise abgestimmt werden. Es geht um die Balance von Instrument und Raum, die Werke müssen in Balance gebracht werden und auch die Pfeifen. Es geht um die Klangfarbe, den Charakter, die Lautstärke und die Tonhöhe. „Wir haben uns vorher verständigt. Wir wollten es etwas weicher haben“, sagt Bothmann.

Die Arbeiten werden laut Orgelbauer Tristan Lebherz noch mindestens vier Wochen dauern. Davon entfallen zwei Wochen aufs Aufbauen, und die restliche Zeit wird für die Intonation benötigt. „Die Intonation, die klangliche Gestaltung der Orgel, ist die Herzarbeit“, sagt Lebherz. Die Orgel sollte eigentlich erst bis Oktober zurückkehren. Der Auftrag wurde vorgezogen, weil die Freiburger im August zwei Orgeln für die Musikhochschule in Hangzhou (China) liefern. Und da das Instrument nicht geweiht werden müsse wie bei den Katholiken, könne es nach Fertigstellung genutzt werden, sagt Bothmann.

Die Kosten für Renovierung und Modernisierung sind mit 230 000 Euro veranschlagt. Die Kirchengemeinde will sie laut Kirchmeister Friedhelm Reichert aus Rücklagen und Denkmalfördermitteln bestreiten.

Zahlen und Fakten

Die Orgel wurde 1951 von der Firma G. F. Steinmeyer & Co. (Oettingen) für die Martin-Luther-Kirche gebaut und 1956 erweitert. Es ist schon die dritte Orgel in der Kirche.

Zuletzt wurde das Instrument 1998 von der Firma Kreienbrink restauriert und erweitert. Sie fügte laut Wikipedia-Eintrag eine neue Setzeranlage und eine programmierbare Walze hinzu und erhöhte den Winddruck.

Seit 2016 steht die Orgel unter Denkmalschutz. Sie ist die größte im gesamten Kirchenkreis.

Im Dezember vorigen Jahres wurde das Instrument bis auf die größten Pfeifen ausgebaut und zur Renovierung nach March bei Freiburg gebracht.

Die Orgel zählt 3958 Pfeifen. Sie bestehen aus einer Legierung aus Zinn und Blei. Die größte ist eine 16-Fuß-Prinzipalpfeife. Sie misst 5,80 Meter und wiegt 150 Kilo. Die kleinste Pfeife ist weniger als einen Zentimeter groß.

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