Swing in Sky mit Genija Rykova
Bild: Hein
Starke Stimme, taffe Performerin: Genija Rykova begeisterte ihr Publikum in der Skylobby des Theaters Gütersloh mit ihrer Hommage an legendäre Jazz-Diven.
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„A Woman’s World“ heißt ihr Programm, in dem sie am Mittwochabend Lieder starker Frauen im obersten Stockwerk des Kulturkubus‘ vorstellte. Im Geiste dabei: Nina Simone, Masha Kalecko, Eva Cassidy und Ella Fitzgerald.

Mit diesem Repertoire kann man nichts falsch machen. Viele weltbekannte Songs, vorgetragen von einem film- und fernsehbekannten Gesicht – das sollte die Hörgewohnheiten und den Geschmack des Gütersloher Publikums in der ausverkauften Skylobby doch wohl treffen.

Aber so einfach macht Rykova es sich nicht. Sie weiß, dass niemand stimmlich mit den schwarzen Jazz-Diven mithalten kann. Voller Respekt gegenüber den großen Namen vertraut sie bei der Hommage an die bedeutenden Sängerinnen des vergangenen Jahrhunderts ihrer eigenen Sicht auf Musik und vermeidet, ihre Lieblingskünstlerinnen zu kopieren. Das gibt dem Konzert eine sehr persönliche Note. Oft klingt es sogar so, als hörte man diese Lieder zum ersten Mal.

Denn Genija Rykova röhrt nicht. Sie nimmt sich gern zurück, vermeidet eruptive Ausbrüche. Rykova singt sehr „weiß“ und verhalten. Die Intensität ihrer Stimme breitet sich erst nach und nach ins Publikum aus. Und im Hintergrund unterstützt ihre Band sie mit abwechslungsreichen Klangbildern, die das eine Mal in Richtung Klaviertrio reichen können, dann wieder mit Klezmeranklängen aufwarten.

 Eine große Aufgabe hat dabei Cellist Eugen Barijan zu bewältigen, der sein Instrument wie einen Kontrabass behandelt und auch für perkussive Einlagen verantwortlich ist. Mit seiner überzeugenden Technik dämpft er die Gesamtlautstärke des Ensembles aus Powermännern und eröffnet der Sängerin genau den Raum, den sie zur freien Entfaltung benötigt.

 Das weiß Genija Rykova zu nutzen. „Cry me a river“ singt sie. Und „Smoke gets in your Eyes“. Und „Sometimes I feel like a motherless Child“. Das Kammerjazz-Konzert mit großen Namen geht bei reichlich Gänsehaut, zwei Zugaben und mit der Hoffnung auf eine baldige Wiederholung zu Ende. Genija Rykova hat die fantastische Musik beeindruckender Frauen mit großer künstlerischer Eigenständigkeit zelebriert – auf höchstem Niveau, spannend und unterhaltsam.

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