Tanztheater sorgt für Premierenfieber 

Erstmals wird im Gütersloher Haus ein Stück des Bielefelder Tanzchefs aufgeführt, um es danach in der Leineweberstadt zu zeigen. „Wir wollten den Gütersloher Besuchern etwas bieten, das in Bielefeld selbstverständlich ist: Premierenfieber“, sagt Andreas Kimpel. Für den Kulturdezernenten ist der Tanz „eine universelle Kunstart, die alle Künste miteinander verbindet und so Brücken baut“. Mit der Aufführung im neuen Theater sei ein weiterer Schritt im Ausbau der Brücke Bielefeld-Gütersloh getan.

Für Gregor Zöllig war die Einladung aus der Nachbarstadt „eine ganz große Ehre. Ich freue mich wahnsinnig auf die Begegnung mit Gütersloh.“ Der Schweizer ist seit 2005 Leiter und Chefchoreograph in Bielefeld und hat dort der Sparte Tanz durch seine ungewöhnlichen, fantasievollen und manchmal auch sehr humorvollen Produktionen eine neue Bedeutung verschafft. Zöllig inszeniert kein Ballett. Nicht dem formelhaften Vokabular des klassischen Tanzes gilt sein Interesse. Vielmehr entwickelt er seine Stücke mit den Tänzern, entdeckt mit ihnen das Potenzial, das ihnen innewohnt und sich in Verbindung mit dem Thema bringen lässt. „Wie schätze ich mich selbst ein?“, sei eine Frage gewesen, die sich jeder habe stellen müssen. Insofern hätten die Tänzer erhebliche Mitautorschaft am neuen Stück.

„Die vier Temperamente“ orientiert sich an der Lebenssäfte-Theorie des Hippokrates, des großen Arztes der griechischen Antike, wie Dramaturg Diether Schlicker erklärt. Diese sei zwar wissenschaftlich längst überholt, aber habe in den Kategorisierungen des Temperaments als Choleriker, Phlegmatiker, Melancholiker und Sanguiniker immer noch Bestand. Im Aufzeigen der ursprünglichen Eigenschaften dieser Temperamente wolle das Tanztheater den Körper sprechen lassen. Getanzt wird auf einem mit Sand ausgelegten Tanzboden. Sand wählt Zöllig, weil es etwas Spielerisches habe, wie ein Tag am Strand. Aber auch weil sich auf Sand mühevoller zu bewegen sei, wie jeder bestätigen könne, der schon mal am Strand gelaufen sei.

Die Musik zu dem Tanzabend haben Zöllig und Schlicker ganz subjektiv gewählt. „Expressive Klänge sollten es sein, Musik, die mich anspricht“, erklärt Zöllig. Gleichzeitig musste er aus der Fülle des Materials eine Auswahl bringen, die von den Bielefeldern Philharmonikern unter Leo Siberski am Abend im Orchestergraben ohne technische Umbaupausen „in einem Fluss“ gespielt werden können. Filmmusik von Schostakowitsch und Mahler-Lieder, die „Dreigroschen“-Musik von Kurt Weill, sowie Musik von Einojuhani Rautavaara, Kurt Schwertsik und Karl Jenkins wird zu hören sein. Karten für die Premiere am Sonntag, 17. April, 19.30 Uhr im Theater Gütersloh gibt es unter anderem bei Gütersloh Marketing unter w 05241/2113636. Aufführung in Bielefeld ab 23. April.

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