Thomas Quasthoff zu Gast in Gütersloh
Bild: Dünhölter
Star-Bariton Thomas Quasthoff im Gütersloher Sparkassen-Gespräch: „Die Leute kamen zu meinen Lied-Abenden nicht wegen des 1,37 Meter kleinen Sängers mit den sieben Fingern, der ein Sensationsparameter bedient. Sie kamen wegen der guten Musik – zumindest beim zweiten Mal.“
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Als Bassbariton von Weltgeltung hat er zwar 2012 selbstkritisch abgedankt. Als Jazzsänger, Schauspieler, Kabarettist und demnächst auch als Dirigent im schweizerischen Verbier bleibt er der Bühne – und sich selbst – aber treu. Am Donnerstagabend war der 55-Jährige im Rahmen der Sparkassen-Gespräche erstmals zu Gast in Gütersloh.

Sparkassen-Vorstand Jörg Hoffend durfte dazu im Theater ein überaus gespanntes Publikum begrüßen, das ein Phänomen erleben wollte und auch konnte. Gut gebettet auf den musikalischen Grüßen des Knabenchors stellte sich ein eloquenter Thomas Quasthoff den Fragen von Moderatorin Brigitte Büscher. Fragen über die Musik, das Leben „und sonstige Kleinigkeiten“.

Schon vorab im Pressegespräch wird Quasthoff seinem Ruf als Mann klarer, aber stets pointiert formulierter Worte gerecht. „Kultur ist eines der höchsten Güter, die wir im Land haben. Sie gilt es zu schützen“, erklärt er gleich eingangs mit sonorem Grollen in der Stimme. Ein Statement, das, verbunden mit dem anerkennenden Blick auf die Gütersloher Theaterräumlichkeiten, bei ihm zum unerschütterlichen Grundsatz gerinnt.

 Und dann wettert er mit Charme und Chuzpe los, gegen jene für Kultur zuständigen Politiker, die „im wahrsten Sinn des Wortes von Tuten und Blasen keine Ahnung haben“ und jede Theaterschließung und jedes Orchestersterben als Fusion zu verkaufen suchten. „Das ist ja gerade so, als wenn man einen Flugzeugabsturz als finale Landung vermarkten wollte.“

Der Mann nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er sich über die „blödsinnigen“ Bachelor- und Masterstudienregelung aufregt oder den Hochschulen attestiert, dass sie viel zu viele Opernsänger ausbildeten in der irrigen Annahme, es gebe genug Bühnen für alle. „Geld verdient man mit Lied-Konzerten“, weiß Quasthoff, aber in dem Bereich werde zu wenig für den Nachwuchs getan.

Außer in Gütersloh. wo es seit mehr als zehn Jahren das Forum Lied von Professor Peter Kreutz gibt. Den kennt Quasthoff natürlich noch aus seiner Zeit als Dozent an der Detmolder Hochschule. „Ja, der Peter, der macht seine Sache sensationell gut.“ Auch dem Gesangswettbewerb Neue Stimmen der Bertelsmann Stiftung gibt Quasthoff gute Noten. „Die Zukunft der Sänger lässt sich eben nur über Qualität sichern.“

Dass er sich als klassischer Liedsänger aus dem Rampenlicht verabschiedet hat, tut ihm nicht leid. Das habe nicht nur daran gelegen, dass ihm die Stimme nach dem Tod seines Bruders weggebrochen sei, sondern auch an den Strapazen, die das Konzertleben mit sich bringe. Außerdem: Viel zu oberflächlich ist ihm der Musikbetrieb geworden, in dem Leute wie David Garrett mit ihrem „Klassik-Pop-Gedudel“ zu fragwürdigen Stars gedeihen. „Der erweist der Klassik einen Bärendienst. Dabei kann er ganz gut Geige spielen.“ Für Quasthoff steht fest: „Klassische Musik muss nicht auf Teufel komm raus in eine Form gebracht werden, die auch den letzten Doofen noch begeistert.“

Was der Sänger über sein Kabarett-Programm verrät und warum er die britische Teenie-Pop-Band „One Direction“ mag, lesen Sie in der Gütersloher „Glocke“ vom 6. Februar.

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