Tour-Teufel trifft Schlager-Barden
Bild: Sänger
In der Abenddämmerung rockten (v. l.) Agentur-Chef Ole Ternes, Gunter Gabriel und Tour-Teufel „El Diablo“ Didi Senft am Mittwoch auf einer Dachterrasse am Rand der Gütersloher Innenstadt.
Bild: Sänger

Gemeinsam greifen die beiden etwas kauzigen Originale an diesem Sommerabend auf einer Dachterrasse am Rand der Innenstadt zur (Luft-)Gitarre. Senft, mit grauem Bart, Fransenfrisur nach Art des angelsächsischen TV-Hexenmeisters Catweazle und diesmal in einem grün-schwarzen Teufelskostüm mit roter Mütze, zupft seinen Dreizack. Darauf hat er für jedes Jahr den Namen eines Tour-Fahrers verewigt. Das Kostüm ist schwarz-grün, weil El Diablo, wie er im Ausland genannt wird, seit kurzem auch als Markenbotschafter für ein Nahrungsergänzungsmittel unterwegs ist. Später wird er in voller Montur ein Bad im Pool nehmen. Die Gäste des Sommerfests greifen zu ihren Fotohandys, Blitzlichter flackern über die Terrasse. Nicht nur die Radsportfans möchten ein Foto mit dem Teufel.

Gabriel gibt sich gewohnt launisch, spielt seine bekanntesten Lieder, natürlich „Hey Boss, ich brauch’ mehr Geld“, Songs seines Idols Johnny Cash und von Elvis Presley. Mit seinen Wohnzimmerkonzerten startete Gabriel einst, um seine Schulden abzubauen. Neugierige Zuhörer auf Nachbarbalkonen fragt er, ob sie schon ihr Eintrittsgeld entrichtet haben.

Der 72-Jährige kokettiert mit seinem Alter, lässt sich über ebenfalls in die Jahre gekommene Kollegen wie Heino und Udo Jürgens aus, klopft Sprüche, bei denen manche Gäste sich fragen, ob sie darüber noch lachen dürfen. Nicht fehlen dürfen die Frau, die zwei Jahre mit ihm im Wohnwagen lebte und sie als „die besten meines Lebens“ bezeichnete, und Gabriels Vorstrafenregister, über das in dieser Woche die „Bild“ genüsslich berichtete. Auch einige Gäste haben das gelesen. Gabriel ist sein eigenes Programm.

Gesprächsstoff gibt es später reichlich, und Didi Senft, der vom Gastgeber, der Agentur Livewelt, promotet wird, berichtet bereitwillig, warum er nie mit seiner Frau Margitta Urlaub macht: Weil er ohnehin immer unterwegs ist, wie an diesem Abend auf einer Dachterrasse in Gütersloh.

Zur Person

Dieter „Didi“ Senft wurde 1952 in Reichenwalde bei Berlin geboren und lebt heute in Storkow, einer Kleinstadt in Brandenburg. Der gelernte Karosseriestellmacher, Künstler und Erfinder war in der DDR Rad-Amateur und mehrfacher Bezirksmeister. Seit 1992 gehört er zum Inventar der internationalen Radsportszene, 1993 begleitete er erstmals die Tour de France. Inspiriert durch den „Teufelslappen“, einem roten Stoff in Dreiecksform, der in jedem Radrennen die letzten 1000 Meter bis zum Ziel anzeigt, wählte er das Teufelskostüm und begleitet so die Fahrer auf den letzten Metern ihres Rennens.

Bekannt wurde Senft auch durch skurrile Fahrradschöpfungen wie das kleinste Tridem (1988) und das größte Rentierfahrrad (2012). Sie sind in einem Museum in Storkow zu besichtigen. Einige stehen im Guinness-Buch der Rekorde. 2006 kam der bärtige Teufel schon einmal nach Gütersloh, als die Deutschland-Tour über die Carl-Bertelsmann-Straße führte.

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