Tschernobyl-Schau „aktueller denn je“
Bildband überreicht: (v. l.) Schulleiterin Christiane Piepenbrock nahm von den drei Zeitzeugen Svetlana Krasovkaya, Dr. Juri Schklar und Oleg Wasiljewitsch Geraschtschenko einen Bildband über Tschernobyl entgegen.

Wer in diesen Tagen an eine 25 Jahre zurückliegende Katastrophe erinnert, landet zwangsläufig mitten in der Gegenwart. Denn wer von Tschernobyl spricht, wo im April 1986 ein Block des Kernkraftwerks explodierte, kann von Fukushima und dem dortigen schweren Unglück in einem Atomkraftwerk nicht schweigen.

So war es auch am Sonntagmorgen, als in der Geschwister-Scholl-Realschule die Wanderausstellung „25 Jahre nach Tschernobyl: Menschen – Orte – Solidarität“ eröffnet wurde. Schulleiterin Christiane Piepenbrock ging in ihrer Begrüßungsansprache auf die Opfer beider Katastrophen ein und bat die Anwesenden – darunter der Bundestagsabgeordnete Ralph Brinkhaus (CDU) –, sich für eine Schweigeminute zu erheben. Das Unglück von Japan zeige auf traurige Weise, wie wichtig die Erinnerung an Tschernobyl bleibe, betonte die Pädagogin.

Verantwortungsvolle Energiepolitik

Bürgermeisterin Maria Unger (SPD) fungiert als Schirmherrin der Schau, die bis zum Wochenende in der Realschule zu sehen ist. Auch sie bezeichnete die Ausstellung vor den Hintergrund von Fukushima als „aktueller denn je“. Was nur theoretisch denkbar schien, sei nun passiert. Die Ereignisse mahnten zu einer verantwortungsvollen Energiepolitik.

Die Wanderausstellung wurde vom Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk (IBB) aus Dortmund konzipiert. Ein breit aufgestellter Trägerkreis, in dem etwa die Kirchen und das Forum Russische Kultur dabei sind, hat die Schau nach Gütersloh geholt. IBB-Mitarbeiterin Sabrina Bobowski gab eine kurze Einführung. Im Mittelpunkt der Fotos und Informationen auf den Stellwänden stünden Menschen und ihre Schicksale. Wichtig sei die Möglichkeit zu Zeitzeugen-Gesprächen: „Die beeindrucken die Schüler oft ganz besonders.“

Gespräche mit Zeitzeugen

Drei Zeitzeugen stehen während der Ausstellung für Gespräche zur Verfügung: Oleg Wasiljewitsch Geraschtschenko aus der Ukraine, der zu den vielen Hunderttausend Aufräumarbeitern (sogenannte Liquidatoren) zählte, die nach der Katastrophe im verstrahlten Gebiet im Einsatz waren; sowie Svetlana Krasovskaya und Dr. Juri Schklar aus Weißrussland, die beide schon vielfach durch Kontakte zur hiesigen Tschernobyl-Hilfe in Gütersloh weilten. Sie hoben bei der Ausstellungseröffnung vor allem die Unterstützung aus Deutschland nach dem Unglück hervor.

Die Zeitzeugen schenkten der Scholl-Schule einen Bildband, der die Katastrophe und die Folgen dokumentiert. Juri Schklar bezeichnete die Menschen weltweit als „Geiseln der Atomindustrie“.

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