Unterwegs in der „Langenachtderkunst“
Bild: Dünhölter
Mehrere tausend Besucher waren am Samstag in der 13. Gütersloher „langenachtderkunst“ unterwegs.
Bild: Dünhölter

 Überwiegend gemütlich ging’s zu, womit die Nachtschwärmer zumindest einer Bedeutung des Mottos „Kulturrasen“ eine Abfuhr erteilten. Turbulent wurde es nur dort, wo Aktionen in reichlich Musik und Gastronomie eingebettet wurden. Da ballte sich das Volk zum Teil schützenfestartig.

Wer das Motto wörtlich nahm und auf grüner Wiese die Kunst suchte, der kam am Dreiecksplatz auf seine Kosten. Mit dem Schweizer Georg Traber war dort ein Himmelsstürmer der zirzensischen Art zu bestaunen. Aus 50 Eschenstangen und zig Seilen baute sich der Kletterkünstler seine eigene Aussichtsplattform. Nach drei Stunden war’s geschafft. Da saß er in zwölf Metern Höhe, aß wohl im Gedenken an Wilhelm Tell einen Apfel, und baute wieder ab – für seinen Sonntagsauftritt in Brüssel.

 Den „Kulturrasen“ wörtlich genommen haben Katharina Wöstefeld, Carmen Cieslar und Monika Geißler. Im Garten der Ateliergemeinschaft Art Colori zitierten sie die Großen der Kunstgeschichte: Rodins „Denker“, Picassos „Taube“, Caspar David Friedrichs „Wanderer“ und selbst Yves Kleins „Monochrom Blau“ fanden sich als witzig-wuchernde Kunstrasen-Objekte zwischen Beeten und Bäumen wieder.

Manchem zu drastisch war die zum Teil interaktive Videokunst der „Fylmklasse“ der Kunstakademie Münster im Veerhoffhaus. Als „reichlich skurril“ empfanden andere das Gesumm und Gebrumm der elektrisch angetriebenen, insektenähnlichen „Wesen“, die Angelika Höger vor dem E-Point wie Motten um die Straßenlaterne kreisen ließ.

Ruhe und Konzentration boten dagegen ein Besuch beim Maler und Bildhauer Johannes Zoller, der eigene und Werke des Luzerner Bildhauers Lois Hermann zeigte, oder ein Abstecher in die „Naturalien“-Ausstellung der Galerie Siedenhans und Simon.

Die „Ohne-Worte“-Fotoschau von Wolf Dieter Tabbert im benachbarten Stadtmuseum gehörte zu den Überraschungen des Abends: Seine Schwarz-Weiß-Bilder geben einen amüsanten Einblick in unseren Alltag, in dem sich mehr Kurioses zuträgt, als man glaubt.

Dass sich die gewünschte Vielfalt der „Langenachtderkunst“ aber auch zum Gemischtwarenladen auswachsen kann, zeigte sich an der Hohenzollernstraße 11: Gekonnt wurde dort die Vergänglichkeit von Fotografien inszeniert oder über abstrakte Bildwelten geplaudert – ehe man sich noch eine Salat- oder Kohlpflanze als Andenken an die „Kokopelli-Kunstgärten“ mitnehmen durfte. War die Kunst dem „Kappes“ in Gütersloh je näher?

Wie sich Techno-Beats mit Mozart-Klängen während der „Langenachtderkunst“ vertrugen und wie es mit dem Veranstaltungsformat weiter geht, lesen Sie in der Gütersloher „Glocke“ vom 21. Mai.

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