Verdrängte Schwangerschaft
Bild: Bojak
Zweiter Verhandlungstag: (v l.) die Angeklagte mit ihrem Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Knut Recksiek und Dolmetscherin Diana Martin.
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Jutta Albert, Vorsitzende Richterin der zehnten Strafkammer am Landgericht Bielefeld, befragt dazu die Anwohnerin, die den neugeborenen Jungen im vergangenen Jahr am 14. Juni im Gebüsch eines an ihr Haus angrenzenden Parkplatzes gefunden hat. Aus ihrer Beschreibung lässt sich schließen: Das Kind war gut versteckt.

Kind lag tief im Gebüsch

Die Aussage eines Sanitäters verstärkt diesen Eindruck. Der 47-Jährige traf nach dem Notruf der Anwohnerin als Erster am Fundort ein. Als er vor dem Gebüsch gestanden habe, habe er das Baby noch nicht sehen können, erklärt er. Erst als er gebückt in die Hecke gekrochen sei, habe er das Kind entdeckt.

Selbstbewusstsein  kaum ausgeprägt

Der Gutachter Dr. Carl-Ernst von Schönfeld beschreibt die 39-jährige Angeklagte als Frau mit eher unterdurchschnittlicher Intelligenz. Sie sei schon als Kind von ihrem alkoholkranken Vater immer wieder gedemütigt worden. Ihr Selbstbewusstsein sei kaum ausgeprägt. Der Gutachter bescheinigt der Angeklagten eine dissoziative Störung, bei der Verdrängung eine große Rolle spiele. Es sei zwar nur schwer vorstellbar, aber möglich, dass die Frau ihre Schwangerschaft ausgeblendet habe – mal mehr, mal weniger intensiv – erklärt der Experte.

Verminderte Schuldfähigkeit erscheint möglich

Eine erst in der Untersuchungshaft nachgewiesene schwere Infektionskrankheit und die außergewöhnliche Belastung unter der Geburt könnten vom Gericht als Voraussetzungen für eine verminderte Schuldfähigkeit der Frau gewertet werden. Der Prozess wird am Donnerstag, 31. März, 9 Uhr, am Landgericht Bielefeld fortgesetzt. Dann sollen die Plädoyers gehalten werden. Das Urteil wird für den 8. April erwartet.

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