Verteidiger geht von Totschlag aus
Die Tür zur Wohnung an der Pestalozzistraße ist versiegelt. Bild: Bojak

Er war zuletzt 2010 aus der Haft entlassen worden. Bevor er sich am Montagabend der Polizei stellte, soll er nach Angaben seines Bielefelder Strafverteidigers Andreas Chlosta einen Suizidversuch unternommen haben.

Den Haftbefehl wegen Mordes hält der Anwalt für überzogen. Er spricht von Totschlag. Chlosta hat am Mittwochmorgen in der Justizvollzugsanstalt Brackwede mit seinem Klienten gesprochen, der gegenüber der Polizei und dem Haftrichter keine weitere Aussage gemacht hatte.

Nach Angaben des Verteidigers und den bisherigen Erkenntnissen kam es am Samstagabend in der Wohnung des Opfers zum Streit. Eifersucht als Ursache habe nach bisherigen Erkenntnissen nicht die Hauptrolle gespielt, sagte Chlosta. Im Verlauf der Auseinandersetzung tötete der 44-Jährige die Frau. Laut Obduktionsbefund ist das Opfer erstickt. Es gab Spuren von Gewalt am Hals.

Der Mann versteckte die Leiche unter dem Bett im Elternschlafzimmer. Der gemeinsame vierjährige Sohn soll sich während des Streits in der Wohnung befunden, aber nichts mitbekommen haben. Alle drei Kinder, die anderen sind 9 und 14 Jahre alt, sollen am Wochenende eine Nacht im Kinderzimmer verbracht haben, während die Mutter nebenan tot unter dem Bett lag. Der Mann habe versucht, die Kinder von dem Zimmer fernzuhalten.

Am Sonntag sei bei dem 44-Jährigen der Gedanke gereift, Selbstmord zu begehen. Am Montagmorgen soll er die Kinder in ein Taxi gesetzt und zur Schwester des Opfers fahren lassen haben. Er selbst habe sich von einem Arzt in Gütersloh Schlaftabletten verschreiben lassen. Einen Gütersloher Anwalt informierte er schriftlich über den Vorfall und die Adresse. Dann soll er die Tabletten geschluckt haben. Als er am Abend wieder zu sich gekommen sei, habe er sich der Polizei gestellt, sagte Chlosta.

Zur Frage, ob der Mann während der Tat zurechnungsfähig gewesen sei, wollte der Anwalt sich nicht äußern. Mordmerkmale wie Heimtücke, Verdeckung einer Straftat, Habgier oder niedere Beweggründe sehe er nicht, so Chlosta.

Der Festgenommene kam demnach als 20-Jähriger wegen einer Frau, die er später auch heiratete, von Jamaika nach Deutschland. Zuvor hatte er eine Ausbildung zum Fischer gemacht und in der Hotelbranche gearbeitet. Ob er in Deutschland einen Beruf ausgeübt hat, vermochte der Anwalt nicht zu sagen. Zuletzt habe er an einer Computerfördermaßnahme teilgenommen.

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