Verwaltung erwartet eine Marschroute
Das Quartier zwischen Strenger-, Eickhoff-, Kaiser- und Friedrich-Ebert-Straße (rechts am Bildrand) liegt am Rand der Innenstadt. Der Projektentwickler Ten Brinke möchte es möglichst komplett mit einem Gebäudekomplex und Einzelhandelsflächen überbauen.  Bild: Dinkels

Die Verwaltung hat schon eine. „Der Verwaltungsvorstand sieht die Planung vom Inhalt her sehr zurückhaltend bis ablehnend“, sagte Stadtbaurat Josef E. Löhr am Dienstag der „Glocke“. „Das Thema Wohnen ist gänzlich unter den Tisch gefallen.“

Unter Einbeziehung der Gazit-Flächen an der Kaiserstraße werde die maximale Verkaufsfläche von 9000 Quadratmetern überschritten. Von Verwaltungsseite werde nicht an der Aufteilung der zulässigen Flächen auf Wellerdiek (9000) und den Kolbeplatz (5000) gerüttelt.

Entscheidend sei, was Gütersloh weiter nach vorn bringe, so Löhr. Ein Verbrauchermarkt mit 3500 Quadratmetern Verkaufsfläche in der Lage sei das wohl kaum, sagte der Stadtbaurat.

„Wir haben den Ball in die Politik gespielt. Nach der Diskussion in den Fraktionen erwarten wir eine Rückmeldung, wie und in welchem Umfang das Projekt weiterverfolgt werden soll“, sagte Michael Zirbel, Leiter des Fachbereichs Stadtplanung. In der Dezembersitzung des Ausschusses werde das aber noch kein Thema sein. „Wir warten auf Rückmeldungen, aber wir drängeln nicht“, so Zirbel. „Dazu ist das Thema zu groß.“ Projektentwickler Bruno Wojatschek habe angekündigt, eine Nachtansicht erstellen zu lassen, um die Fassadenwirkung zu verdeutlichen.

Für die Arbeitsgemeinschaft Gütersloher Innenstadt (AGGT) kündigten der Rechtsanwalt und Notar Jörg Balk und der Architekt Walter Hauer eine Stellungnahme an. „Wir haben nichts gegen eine Bebauung und wir haben nichts gegen Einzelhandel, wenn es eine städtebaulich vernünftige Lösung gibt“, sagte Balk. Schon im Mai hatte sich die AGGT für eine Lösung mit Wohnungen, für die Durchlässigkeit des Quartiers und gegen Parkplätze auf dem Dach ausgesprochen. Daran dürfte die neuerliche Stellungnahme anknüpfen.

Die Initiative Agenda Gütersloh, Befürworter eines Einkaufszentrums, hatte ebenfalls schon früher einen großen Verbrauchermarkt an der Stelle als „Verschwendung von Handelsflächen“ gebrandmarkt. Er biete „keinerlei Mehrwert für Gütersloh“. Im Rathaus liegt laut Stefan Rineck ein Agenda-Antrag vor, die zulässige Verkaufsfläche auf 15 000 Quadratmeter heraufzusetzen.

Rainer Schorcht, Vorsitzender des Gütersloher Einzelhandels, macht aus seiner Ablehnung keinen Hehl. „Das ist nur eine Hülle, ein trojanisches Pferd, das man uns hier unterzuschieben versucht. Alles, was an Handel präsentiert wird, haben wir schon in der Stadt“, erklärte der Kaufmann mit Blick auf Lebensmittel, Unterhaltungselektronik und Bekleidung.

Kolbeplatz

Auch für die freien Flächen am Kolbeplatz wird eine Bebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern an der Eickhoffstraße geplant. Die Volksbank-Tochter Geno-Immobilien und die Firma G eins Immobilien des Architekten Walter Hauer treiben das Projekt voran. Die Familie Finke, die die Flächen einbringt, will mit ihrem Sportgeschäft dort einziehen. Außerdem war zuletzt die Rede von einem Lebensmittelmarkt. Stellplätze sind in einer Tiefgarage vorgesehen.

Der „Glocke“ sagte Hauer: „Wir arbeiten daran und brauchen noch etwas Zeit, um der Öffentlichkeit qualifiziert etwas zu präsentieren.“ Verwaltung und Politik hatten dem Kolbeplatz stets Priorität eingeräumt.

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