Vesperkirche ruhiger und nachhaltiger
Bild: Scheffler
Bunte Gemeinschaft: Am Montag waren die 150 Plätze zum Speisen in der Martin-Luther-Kirche rasch besetzt.
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„Die Neugierde ist kleiner geworden“, sagt Pfarrer Stefan Salzmann zur niedrigeren Frequenz, betont aber zugleich: „Manches ist jetzt im zweiten Jahr nachhaltiger, da gibt es engere Kontakte. Ich habe das Gefühl, es vertieft sich.“ Auf alle Fälle gelte für das Halbzeitresümee: „Der Funke leuchtet wieder.“

Vor allem am Dienstag und Mittwoch sei das Gotteshaus gefüllt gewesen, blicken die Verantwortlichen zurück. An diesen Tagen hätten nicht alle Interessenten eine warme Mahlzeit bekommen. Elke May gibt im Eingangsbereich die Essensmarken aus. Wenn sie 150 Tickets – entsprechend den 150 Sitzplätzen in der Kirche – vergeben hat, heißt es für die Leerausgegangenen Warten auf die zweite Öffnung. Die nächsten werden um 12.45 Uhr eingelassen. „Manche Gäste sind in diesem Jahr fordernder geworden“, hat May festgestellt. „Jemand wollte sogar vier Essensmarken. Er sagte, sonst würde er nicht satt.“ Andere hätten sich am Tisch geweigert aufzurücken, um Platz zu machen. Doch dieses Verhalten legten nur vier bis fünf Besucher an den Tag. „Man kennt seine Pappenheimer“, weiß Elke May, wie mit diesen Situationen umzugehen ist.

„Ein gutes Drittel sind Stammgäste“, erzählt Stefan Salzmann von seinen Beobachtungen. „Und es kommen etliche einsame Menschen, denen Gespräche wichtiger sind als das Essen.“ Der Pfarrer macht klar: „Wir rühren hier keine Harmoniesoße an, vielmehr soll sich die Wirklichkeit zeigen.“ Salzmann freut sich darüber, dass das Kulturprogramm gut und besser angenommen werde als vor einem Jahr. Beim Kinoabend „Chocolat“ am Freitagabend hätten zusätzliche Stühle aufgestellt werden müssen. Dass am Samstag Jugendliche Hip-Hop und Breakdance gegen Rassismus aufgeführt hätten und Tags darauf 16 junge Cellisten von der Musikschule zum Mittagsprogramm aufgetreten seien, zeige die beeindruckende Vielfalt der Vesperkirche.

Zu den mannigfaltigen Angeboten gehören auch Beratungs- und seelsorgerische Angebote. „Sie werden in Anspruch genommen. Teilweise gibt es dort sogar einen großen Bedarf“, weist Pfarrer Stefan Salzmann auf den geschützten Gesprächsraum auf der Kaiserloge der Martin-Luther-Kirche hin.

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