Vier Finger in Not-OP wieder angenäht
Nach der erfolgreichen Notoperation: Oberarzt Michael Stoffels kontrolliert die Fortschritte, die Alexander Ebert dank Reha-Maßnahmen macht.

Eine Operation in dieser Größenordnung ist laut einer Pressemitteilung des Klinikums sehr selten. Der Unfall passierte bei Alexander Eberts Arbeit in der Verpackungsabteilung eines Paderborner Baustoff-Herstellers. „Ich war gerade dabei, mit einer Tischkreissäge eine Hartfaserplatte abzusägen, als ich reflexartig nach links schaute, weil etwas meine Aufmerksamkeit erregt hatte. Dabei habe ich auch meine Hand nach links in die Kreissäge hinein gezogen“, schildert Ebert die Situation.

Kreissäge trennt drei Finger komplett ab

Drei Finger wurden komplett abgetrennt, der kleine Finger hing nur noch an einem Hautlappen an der Hand fest. Dennoch verspürte er keinen Schmerz: „Es hat sich eher angefühlt wie ein Schlag auf die Hand“, so Ebert. Seine Kollegen reagierten vorbildlich: Die Hand wurde mit einer sterilen Binde verbunden, die abgetrennten Finger wurden in einen wasserdichten Beutel gelegt und gekühlt. „Ich hatte ein wenig Glück im Unglück: Erst zwei Tage zuvor haben wir im Betrieb eine Auffrischung in der Ersten Hilfe erhalten. Die Kollegen wussten also genau, was zu tun war.“

Kollegen reagieren vorbildlich

Dass dieses Verhalten genau richtig war, bestätigt auch Handchirurg Michael Stoffels von der Klinik für Plastische, Ästhetische und Handchirurgie des Klinikums Gütersloh: „Es ist sehr wichtig, dass abgetrennte Körperteile kühl und trocken gelagert werden. Auf keinen Fall sollte man den Finger direkt in Eis oder in Wasser legen, da dies das Gewebe zerstört und eine erfolgreiche Operation unmöglich macht. Am besten legt man den in Kompressen eingewickelten Finger in eine Tüte, die man gut verschlossen in eine zweite Tüte mit Wasser und ein paar Eiswürfeln legt. Im Rettungswagen gibt es in der Regel auch fertige doppelwandige Replantatbeutel“, so der Oberarzt.

Die Klinik für Plastische, Ästhetische und Handchirurgie ist vom Landesverband der Berufsgenossenschaften zum sogenannten „Schwerstverletzungsartenverfahren in der Handchirurgie“ zugelassen und unterhält für die Versorgung frischer handchirurgischer Notfälle einen eigenständigen Bereitschaftsdienst. Da die Autobahn aufgrund eines verunglückten Schwertransports gesperrt war, wurde für Alexander Ebert ein Rettungshubschrauber angefordert. „Das war für mich nochmal zusätzlicher Stress – ich habe nämlich Flugangst“, erzählt der 41-Jährige.

Knochen verdrahtet und Sehnen vernäht

„Ein Anästhesist hat mich deshalb noch vor dem Abflug sediert. Ich bin erst nach der Operation viele Stunden später wieder aufgewacht“, berichtet Alexander Ebert. In der Zwischenzeit hatten Michael Stoffels und sein Team die vier abgetrennten Finger in einer aufwändigen Operation wieder replantiert. Schritt für Schritt wurden die Knochen verdrahtet und die Sehnen vernäht. Für die Rekonstruktion der Gefäße und der Nerven wurden unter dem Operationsmikroskop Fäden verwendet, die dünner sind als Haare.

„Ich dachte zunächst, dass wir den Kleinfinger nicht retten könnten, aber auch das hat glücklicherweise funktioniert. Eine Replantation ist immer knifflig, aber vier Finger sind eine besondere Herausforderung“, so Stoffels. Trotz der erfolgreich verlaufenden OP wird Ebert mit Funktionseinschränkungen leben müssen: „Er wird die Hand nicht mehr ganz zur Faust schließen können, da die zerstörten Mittelgelenke nicht rekonstruierbar waren. Mit viel Ergotherapie und Krankengymnastik wird er seine Hand aber trotzdem im Alltag wieder gut nutzen können.“

Heute kann er wieder schreiben

Das bestätigt Alexander Ebert, der inzwischen mehrere Reha-Maßnahmen abgeschlossen hat. „Bei feinmotorischen Tätigkeiten wie beim Zuknöpfen von Jacken habe ich Schwierigkeiten. Außerdem kann ich kleine Dinge nicht halten. Größere sind kein Problem. Auch schreiben kann ich mit der rechten Hand. Ansonsten versuche ich, mich langsam daran zu gewöhnen, die linke Hand als Führungshand zu nutzen.“

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