Volker Richter will mehr Gerechtigkeit
Foto: Dinkels
Die Lösung der sozialen und Integrationsfragen der Arbeitnehmer aus Ost- und Südosteuropa steht für Volker Richter im Mittelpunkt. Er ist Vorsitzender des entsprechenden Runden Tischs. Das Foto zeigt ihn vor Werkvertragsarbeiterwohnungen an der Leipziger Straße in Blankenhagen.
Foto: Dinkels

„Die Glocke“: Welches ist die wichtigste Aufgabe der nächsten fünf Jahre? 

Volker Richter: Es gibt viele wichtige Aufgaben. Dafür ist viel zu lange viel zu viel unter dem amtierenden Bürgermeister liegengeblieben. Dazu gehören ernst gemeinter Klimaschutz und neue Mobilitätskonzepte, Bildungsgerechtigkeit, die Lösung der sozialen und Integrationsfrage der Arbeitnehmer aus Ost- und Südosteuropa, die Frage der Kliniksituation und der Hausärzteversorgung sowie ganz besonders die Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Die wichtigste Aufgabe ist also, den Stillstand zu beenden und der Lösung der Alltagsprobleme der Gütersloher wieder die oberste Priorität einzuräumen. 

„Die Glocke“: Welche Rolle spielt für Sie die Digitalisierung? 

Zur Person

Geburtsort: Gütersloh. 

Alter: 55. 

Familienstand/Kinder: ledig, keine Kinder. 

Beruf/Tätigkeit: Kundenberater bei einer Versicherung. 

Hobbys: Schach, Lesen. 

Politischer Werdegang: seit 1982 Mitglied der Falken, seit 1985 in der SPD, seit 1989 im Jugendhilfeausschuss, seit 1995 im Rat, seit 2014 Vorsitzender des Sozialausschusses, seit 2018 Vorsitzender des Runden Tisches Werkvertragsarbeiter. 

Liebstes Fortbewegungsmittel: zu Fuß, weil ich beruflich ohnehin zu viel sitze und leider auf die Nutzung des Autos angewiesen bin. 

Bevorzugtes Kommunikationsmedium: Telefon, E-Mail, Whats-App 

Was bringt Sie auf die Palme? Menschen, die eine vorgefertigte Meinung haben und sich sachlichen Argumenten verschließen. Menschen, die Schreierei statt sachlicher Diskussionen für richtig halten; manchmal auch die Dauer von Verwaltungsabläufen. 

Wie entspannen Sie? Spazieren gehen, mit Freunden Zeit verbringen, ausgewählte historische Dokumentationen ansehen, manchmal lesen (viel zu selten).


Richter: Die Digitalisierung kann viele Abläufe im täglichen Leben vereinfachen und auch effizienter machen. Diese Chancen müssen wir nutzen. Aber Digitalisierung ist für mich kein eigenständiges politisches Ziel, sondern immer nur Mittel zum Zweck. Wir müssen in Gütersloh nicht das Rad neu erfinden wollen, sondern auch mal auf Kenntnisse und Erfahrungen anderer (Kommunen) zurückgreifen. Vor allem muss es endlich praktisch werden – bei der digitalen Bildung, schnellem Internet im ganzen Stadtgebiet und einer digitalen Stadtverwaltung. Ich finde, wir müssen gleichzeitig darauf achten, dass wir niemanden zurücklassen. Im Schulbereich dürfen wir etwa keine neuen Ungerechtigkeiten schaffen. Das muss man im Blick behalten. 

„Die Glocke“: Wie halten Sie es mit der Bürgerbeteiligung? 

Richter: Wir machen Politik für die Bürger in Gütersloh. Da ist die weitestmögliche Bürgerbeteiligung anzustreben. Dazu gehört die Beteiligung über Gremien wie das Jugendparlament, den Seniorenbeirat, den Behindertenbeirat oder auch den Integrationsrat. Dazu müssen diese Gremien aber auch ernstgenommen werden. Ihre Meinung muss Einfluss in die politische Willensbildung finden. Es müssen aber auch weitere Möglichkeiten der frühzeitigen (!) Bürgerbeteiligung geschaffen werden. Zum Beispiel, wenn es um bestimmte Bauprojekte geht. Hinterzimmerarbeitskreise wie die Arbeitsgruppe Digitalisierung an Schulen, wo weder die Stadtschulpflegschaft noch die Schülervertretungen beteiligt waren, wird es mit mir als Bürgermeister nicht geben.

„Die Glocke“: Was zeichnet Sie gegenüber den anderen Bewerbern aus? 

Richter: Ich nehme sehr stark wahr, was die Menschen in Gütersloh interessiert. Genau dieses Gespür für die Alltagssorgen der Bürger ist das, was mich auszeichnet. Durch meine 25 Jahre Erfahrung im Rat kenne ich Entscheidungswege und Handlungsmechanismen im Rathaus. Die Beschäftigten in der Verwaltung erlebe ich als sehr engagiert und hochqualifiziert. Als Chef dieses Teams würde ich meine Mitarbeiter in ihren Bereichen eigenständig arbeiten lassen, bei wichtigen Projekten aber enger begleiten, damit Kostensteigerungen wie bei der Dritten Gesamtschule nicht entstehen. Und wenn doch mal Fehler passieren, werde ich auf keinen Fall meine Mitarbeiter öffentlich in den Regen stellen. 

„Die Glocke“: Wie stellen Sie sich Gütersloh in fünf Jahren vor? 

Richter: Ich bin überzeugt, dass Gütersloh mehr kann. Gütersloh wird als klimaneutrale Kommune Vorreiter bei Klimaschutz und moderner Mobilität und bleibt zugleich wirtschaftsstarker Standort mit guten Arbeitsplätzen. Es gibt verlässliche und beitragsfreie Kinderbetreuung, gute Bildung in sauberen und auch digital perfekt ausgestatteten Schulgebäuden. Wir haben die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert und ermöglichen die weitestmögliche Einbindung von Kindern und Eltern in der Gestaltung von Kitas und Schulen. In der Innenstadt gibt es kleine und große Geschäfte sowie eine vielseitige Gastronomie. Und auch für junge Menschen gibt es in Gütersloh dann (wieder) jede Menge Freizeit- und Kulturangebote, etwa am Badesee in Blankenhagen oder im Nachtleben.

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