Vollblutpädagogin geht in Ruhestand
Weiterhin in Sachen Bildung unterwegs: Auch wenn Dr. Birgit Osterwald, Leiterin der Volkshochschule Gütersloh, sich Ende Februar in den Ruhestand verabschiedet, will sie sich weiterhin für ihr Anliegen „Bildung für alle“ einsetzen.

Sie habe dazu beigetragen, dass die Vielfalt der Angebote und die neuen Formate im Lauf der Jahre einen wachsenden Zuspruch erfahren hätten: Heute nutzten rund 15 000 Menschen die Angebote der VHS, im Jahr 2005 seien es lediglich 6000 gewesen, heißt es in einer Mitteilung.

Osterwald habe es verstanden, den Gestaltungsspielraum zu nutzen und mit Ideen und Inspirationen vieles zu ermöglichen, um die Bildung zu den Menschen zu bringen, heißt es in der Mitteilung. „Lebenslanges Lernen und die Freude daran“, seien ihr wichtig, und dieses Leitmotiv halte und trage noch immer. Mit ihrer feinen Antenne für Netzwerkstrukturen und auch durch persönliche Beziehungen habe Osterwald zahlreiche Kooperationen angestoßen: „Sei es mit Unternehmen, denen sie Bildung auf Bestellung ins Haus brachte, oder die Zusammenarbeit mit dem Wertkreis, um das Thema Inklusion voranzubringen“, schreibt die Stadt.

Unterstützung von 350 Dozenten

Überhaupt hätten bei ihr alle Begegnungen unter dem VHS-Radar gestanden. „Ob bei Workshops, Kongressen, auf Reisen oder einfach nur bei einem Gespräch in der Stadt: Stets schwang die Überlegung mit, wie sich die VHS einbringen kann, was man tun kann, um die Stadt bei ihrem Bildungsauftrag zu fördern und zu unterstützen“, heißt es. Ein Beispiel sei das Thema Analphabetismus. In Deutschland gibt es 7,5 Millionen Analphabeten. Die VHS Gütersloh macht Angebote, wie betroffene Menschen in dieser Frage weiterkommen können.

„Leicht ist es nicht“, sagt die Leiterin. Das habe sie selbst am Infostand des Alphamobils erfahren, das auf dem Berliner Platz Station machte. Bei vielen Projekten sei sie vor Ort dabei gewesen, um beurteilen zu können, was man tun könne und wie das ankomme. Bei der Umsetzung von Bildungsideen konnte sich Osterwald auf die Unterstützung des Verwaltungsteams und von 350 Dozenten verlassen.

Die Kinderuni, das Kinderforum, die Seniorenuni, die Bildungsberatung, der Bildungscheck, die Bildungsferien mit der Osthushenrich-Stiftung: Die Zeiten, in denen man zur Volkshochschule gegangen sei, um vielleicht nur einen Sprachkursus zu besuchen, seien lange vorbei, heißt es in der Mitteilung. Mit Formaten wie dem Philosophiecafé oder den Bürgerdialogen sei die Volkshochschule zu einem Ort geworden, der Fragen stelle und Meinungen bündele.

Ruhestand nicht in Sicht

„Unsere Teilnehmer legen aber auch großen Wert darauf, miteinander und voneinander zu lernen“, sagt Dr. Birgit Osterwald. Hinter aller Kreativität und Vielfalt stecke aber auch ein strukturiertes Vorgehen. Seit 2006 stellt sich die VHS dem Qualitätsmanagement nach ISO, ein aufwendiges Verfahren zur Qualitätssicherung, „das aber zwingend notwendig ist, um die Verantwortung für Prozesse festzulegen“, so Osterwald.

Dem Beschwerdemanagement hat sie sich persönlich angenommen. „Es ist mir wichtig, dass man mit Kritik so umgeht, dass letzten Endes etwas Gutes dabei herauskommen kann“, sagt sie.

Dr. Birgit Osterwald, die aus Herford kommt und nach einem Studium der Germanistik, Slavistik und Philosophie in die Weiterbildung ging – 1991 kam sie an die Volkshochschule Gütersloh –, bleibt ihrer Berufung treu. Einen Ruhestand wird es für sie nicht geben. Wenn sie sich Ende Februar aus der Volkshochschule Gütersloh verabschiedet, ist sie mit Lehraufträgen an Universitäten unterwegs, um sich weiterhin für ihre Herzensangelegenheit einzusetzen: Bildung für alle.

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