Von Rohrstock, Ranzen und Ratzefummel
Bild: Pieper
Agile Museums-AG an der Alststadtschule: (v. l.) Unter Anleitung von Dr. Franz Jungbluth erarbeiten (hinten v. l.) Charlotte Kleßmann, Lennart, Kerstin Schäfer, Ela (Mitte, v. l.) Moritz, Hanno, Nina und Zoe sowie (vorn) Pauline und Max eine Ausstellung zum Thema Schulalltag.
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Mit Feuereifer ist er zusammen mit zehn Mitschülern in der Museums-AG der Altstadtschule aktiv. Denn anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Einrichtung, das nach den Osterferien mit einer Projektwoche, am 21. und 22. April auch mit Festakt und Schulfest groß gefeiert wird, soll es schon ab Freitag, 9. März, eine Ausstellung im Stadtmuseum geben. Dabei geht es nicht nur um eine Dokumentation eine der ältesten Schulen Güterslohs. Vielmehr soll unter dem von den Kindern selbst gewählten Titel „Rohrstock, Ranzen, Ratzefummel“ Schulalltag und Kindheit damals und heute beleuchtet werden.

„Uns geht es weniger um eine chronologische Darstellung des Wandels“, sagt Museumsleiter Dr. Franz Jungbluth, der die Hobbyforscher sachkundig berät, sondern eher um eine atmosphärische. Und so wird sich – verteilt auf vier „Klassenzimmer“ aus der Kaiserzeit/Weimarer Republik, aus der Nazi- und der Nachkriegszeit, aus den 80er-Jahren und aus der Jetztzeit – viel Schulmäßiges und auch Privates wiederfinden: Lesefibeln und Lehrbücher, alte Fotos, Schriftstücke und Zeugnisse, Schiefertafeln mit selbst gehäkeltem Putzläppchen und geladene Tintenfüller.

Pauline hat von ihrem Großvater noch einen abgewetzten Lederranzen aus den 40er-Jahren für die Ausstellung bekommen. Emily hat ihre Uroma und ihren Opa interviewt, die in den 30er- und 50er-Jahren zur Altstadtschule gingen. Damals, als man noch brav in Zweierreihen die Schule betrat, als Sport noch Leibesertüchtigung oder -übung hieß, statt Biologie landwirtschaftliche Fachkunde gelehrt wurde und Sütterlin in feinster Schönschrift zu schreiben war. „Rauf, runter, rauf und Pünktchen oben drauf“, erklärt Ela lachend die Schreibweise des Sütterlin-i - denn auch das haben die agilen und wissensdurstigen Mitglieder der Museums-AG mittlerweile gelernt.

Froh sind sie indes alle, dass es heute keine drastischen Strafen mehr gibt. Max und Moritz wissen genau Bescheid, wie das früher war: „Da gab es mit dem Holzlineal was auf die Finger, nur weil man mal nicht ordentlich genug schrieb. Der Lehrer durfte einen an den Ohren ziehen oder mit dem Rohrstock hauen.“ Und ganz schlimm: „Zehn Minuten auf einem Holzscheit still sitzen, nur weil man mal zu spät kam.“

Weitere Objekte gesucht

Unterricht, Regeln und Konsequenzen, Schulweg und Pausenspiele – wie der Schulalltag früher war, wollen die ideenreichen AG-Mitglieder auch noch anhand eines Films, den sie selbst drehen werden, für alle Altstadtschüler und Museumsbesucher dokumentieren. Und auch in der Ausstellung sind die Besucher interaktiv eingebunden. So gibt es alte Kinderspiele, einen Sütterlin-Wettbewerb und Fleißkärtchen zu gewinnen.

„Es ist eine Schau von Kindern für Kinder, die auch Erwachsenen Spaß machen soll“, bringen es die verantwortlichen Lehrerinnen und engagierten Initiatorinnen der Museums-AG, Kerstin Schäfer und Charlotte Kleßmann, auf den Punkt. Schon seit Wochen treffen sie sich mittwochs in der siebten und achten Stunde mit den Dritt- und Viertklässlern. Sie waren mit den Kindern im Schularchiv, haben im Museumsmagazin und im Internet recherchiert, um geeignete Materialien zu sammeln sowie passende Ausstellungsobjekte auszuwählen und auf ihre Präsentationsmöglichkeit hin zu überprüfen.

Was weiter gesucht wird, sind Spielzeug und Kleidung aus der Kaiserzeit. „Und einen Rohrstock als Relikt überkommener Erziehung fehlt uns auch noch“, sagt Jungbluth. Wer da für Abhilfe sorgen kann, sollte sich im Museum, Tel. 05241/26685, oder direkt in der Altstadtschule melden.

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