Vorhang hoch - komme, was da wolle
Staunen, erleben und genießen: Das Theater Gütersloh hat die Welt auch 2019 wieder in zig Facetten widergespiegelt – und ihr auch getrotzt, unter anderem mit der Inszenierung „Das Bildnis des Dorian Gray“ vom Wiener Burgheater.

In dem sollten wir oft an die eisernen Regeln des Theaters erinnert werden, zu denen außer „Nicht pfeifen auf der Bühne!“ und „Keine Tiere auf die Bühne!“, unbedingt auch „The show must go on“ – auf bühnendeutsch „Der Lappen muss hoch!“ – gehört. Übersetzt: der Vorhang muss sich öffnen – komme, was da wolle.

 So beginnt der launige Jahresrückblick, den der künstlerische Leiter des Theaters Gütersloh, Christian Schäfer, eigens für die „Glocke“ zusammengestellt hat. Ein ganz besonderer, augenzwinkernder Blick hinter die Kulissen des Bühnenjahrs 2019.

 Gleich im Januar herrscht das totale Fiasko: Burgschauspieler und Starautor Joachim Meyerhoff ist indisponiert. Er traut sich zwar zu, in Hamburg noch eine kleinere (Haupt-)Rolle zu spielen, aber in Wien wird alles abgesagt. An das Dreistunden-Solo „Die Welt im Rücken“, auf das sich unser Publikum aus nah und fern – es gab Reservierungen aus vielen verschiedenen Bundesländern – gefreut hatte, ist nicht zu denken. Dank des fabelhaften Markus Meyer als „Dorian Gray“ und allen anderen Figuren aus Oscar Wildes Roman gab es dann trotzdem ein bejubeltes Gastspiel von der Donau an der Dalke.

Was keiner – außer den geschätzten „Glocke“-Lesern – je erfahren wird: Auch das Gastspiel eine Woche später, das am Ende den Publikumspreis gewinnen sollte – Bastian Krafts Zürcher Version von Thomas Manns „Buddenbrooks“ – stand eine Weile auf der Kippe. In diesem Fall auf einer bundesdeutschen Jugendschutzkippe. Nur mit vielen eilig einzuholenden Unterschriften von Eltern, Schule, Arzt aus der Schweiz und einem umsichtig reagierenden Regierungspräsidium in Detmold bekamen wir die Erlaubnis, den jüngsten, soll heißen: minderjährigen Buddenbrook, auch am späteren Abend die Bühne betreten zu lassen.

Im Februar musste dann beim „Kalten Herz“ ein Darsteller von einem Tag auf den anderen ins kalte Wasser springen, um einen erkrankten Kollegen zu ersetzen und heldenhaft das Gastspiel zu retten. Und so ging das munter weiter: Bei den „Drei von der Tankstelle“ drehte sich das Besetzungskarussell noch bis kurz vor der Premiere so schnell, dass die künstlerische Leitung in Gütersloh den Überblick verlor und bis kurz vor Beginn nicht wusste, für wen man da Hotelzimmer gebucht hatte.

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