Voxx, die Londoner Westend Tenors
Bild: Pieper
Viel Schall und Rauch: Am Mittwoch gaben „Voxx - The Westend Tenors“  ihre Visitenkarte in der halbvollen Gütersloher Stadthalle ab.
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 Immer in der Hoffnung, dass etwas vom Glanz dieses Stimm-Triumvirats auf sie abfällt. Da bilden die vier Sänger von Voxx keine Ausnahme. Am Mittwoch gaben sich die smarten Herren aus dem Londoner Westend, El Dorado aller Theater- und Musicalfans, erstmals in Gütersloh die Ehre.

 Als Duo 2015 gegründet von Adam Bayjou, der mehr als 400 Mal den Jean Valjean in „Les Misérables“ sang, und Michel Storrs, der im gleichen Musical als Jarvert auftrat, wenn er nicht gerade als Back-up-Sänger von Elton John unterwegs war, sind die beiden Freunde erstmals auf Deutschlandtournee. Zusammen mit Leo Roberts und Oliver Metcalfe, die das Quartett komplett machen. Vier Tenöre, vier Stimmfarben von baritonaler Tiefe bis (fast) zum Falsett, ein kunterbuntes Programm. Und im Hintergrund eine fünfköpfige Band, die aus Synthesizer und Bassboxen einen Startbahn-Sound rausholt, der jedem Großflughafen zur Ehre gereichen würde. Pavarotti hätte da sicher das Handtuch geworfen.

 Aber der jungen, Entertainment-erprobten Tenor-Generation scheint das nichts auszumachen. Im Gegenteil. Sie hat offensichtlich Ehrgeiz genug, sich im überbordenden Schall und viel Rauch als Rossinis „Barbier von Sevilla“ in der komödiantischen Arie „Largo Al Factotum“ oder in Puccinis eigentlich betörend schönem „Nessun dorma“ zu erproben.

Den musikalischen Stier bei den Hörnern gepackt

Voxx wagt viel. Das Quartett mixt so selbstbewusst wie ungeniert im effektvoll ausgetüftelten Scheinwerferkaleidoskop das schwärmerische „Tonight“ aus der „Westside Story“ mit einem handfesten Bond-Medley. Oder gesellt Valjeans flehentliche Bitte „Bring him home“ zur Torero-Arie aus der Oper „Carmen“. Auf in den Kampf. So packt man den musikalischen Stier heute offensichtlich bei den Hörnern. Und das Publikum applaudiert eifrig.

Eben noch wird vom Tiger Tom Jones dessen „Delilah“ geschnurrt, schon wird Freddy Mercurys Vermächtnis „The show must go on“ gerockt. In einem Moment wird mit neapolitanischem Charme der Gassenhauer „O sole mio“ geträllert, im nächsten wird Simon & Garfunkels „Bridge over troubled water“ lautstark gesprengt.

Am Ende erweist Voxx noch den Beatles mit „Hey Jude“ seine Reverenz. Kein Wunder, dass bei „Time to say goodbye“, dem Abschiedsgruß ans Publikum, die Handys und Feuerzeuge aufleuchten. Summend verlässt so mancher den Stadthallensaal.

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