Wann Alkoholkonsum bedrohlich wird
Der LWL-Fachdienst für betriebliche Suchtprävention informiert über den „Kollegen Alkohol“: (v. l.) Rita Fleiter-Wurg, Dr. Ulrich Kemper (Chefarzt Bernhard Salzmann-Klinik), Hans-Dieter Knöbel, Berthold Ekrowski und Karin Martin. Bild: Borgelt

Einige Empfehlungen der Deutschen Fachgesellschaften gab Dr. Ulrich Kemper, Chefarzt der Bernhard-Salzmann-Klinik, am Freitag in einem Pressegespräch weiter.

Demnach beginnt riskanter Alkoholgenuss bei Frauen, wenn sie in der Woche mehr als fünf halbe Liter Bier oder fünf Gläser Wein oder 20 einfache Schnäpse trinken. Bei Männern liegt die Toleranzgrenze höher. Sie wird angegeben mit wöchentlich acht halben Liter Bier oder acht Gläsern Wein oder 32 einfachen Schnäpsen (0,2 cl). Damit es nicht riskant wird, sind bei Männern und Frauen zwei abstinente Tage in der Woche notwendig. „Damit der Körper auch weiß, wie es ohne Alkohol ist“, sagt Dr. Kemper. In der Schwangerschaft sei auch ein kleines Gläschen Alkohol zuviel.

Zu hoher Konsum sei ein schleichender Prozess, der über Jahre gehe. 9,5 Millionen Bundesbürger tränken zu viel Alkohol und 1,3 Millionen Deutsche seien abhängig. Nach einer Statistik trinke jeder Bundesbürger vom Kleinkind bis zum Greis jährlich etwa zehn Liter reinen Alkohol. Der riskante Alkoholgenuss sei in den vergangenen Jahren stabil geblieben. Am Arbeitsplatz werde weniger getrunken als früher.

Vor allem: Wer arbeitet oder ein Fahrzeug steuert, sollte keinen Alkohol im Körper haben. Die Fachleute empfehlen: Vor jedem alkoholischen Getränk zunächst ein alkoholfreies Getränk trinken. Dies durchbreche den Automatismus, mit Bier den Durst löschen zu wollen.

„Alkohol macht Durst“, sagt Berthold Ekrowski. Er entziehe dem Körper Wasser. Der Psychologe und die Sozialarbeiter Hans-Dieter Knöbel, Karin Martin und Rita Fleiter-Wurg engagieren sich für die betriebliche Suchtprävention, angesiedelt in der Bernhard-Salzmann-Klinik. Dazu gehören Schulungen für Führungskräfte, Betriebsräte und Ansprechpartner in den Betrieben. Nach einer eineinhalbjährigen Ausbildung erhielten jetzt zwölf Absolventen aus Industriebetrieben, dem öffentlichen Dienst und Krankenhäusern aus Ostwestfalen-Lippe Zertifikate als Ansprechpartner.

Sie suchen mit den Beteiligten nach Lösungen, wenn Arbeitnehmer nicht mehr zuverlässig sind, Konzentrationsstörungen zeigen, fehlen oder ein negatives Verhalten an den Tag legen, das nicht zu erklären ist. Die nächste Schulung der Bernhard-Salzmann-Klinik beginnt im Januar 2012.

SOCIAL BOOKMARKS