Weberei: Nahtloser Übergang bleibt Ziel
Bild: Dinkels
Dauerbaustelle Weberei: Der Betrieb läuft auch nach dem Insolvenzantrag weiter. Das Gerüst gehört zum Bauteil 5, wo zurzeit das Dach erneuert wird.
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Die Verwaltung und der vorläufige Insolvenzverwalter, der Rechtsanwalt und Steuerberater Jochen Schnake (Werther), streben jetzt einen nahtlosen und beschleunigten Übergang an. „Der Betrieb läuft weiter und alle Veranstaltungen finden statt“, sagte Schnake am Dienstag der „Glocke“. Für drei Monate sei der Betrieb über das Insolvenzgeld für die Mitarbeiter gesichert, sofern sie bei der Stange blieben. „Wir streben einen nahtlosen Übergang auf einen neuen Betreiber an“, sagte der Rechtsanwalt nach einem Gespräch mit dem Beigeordneten Andreas Kimpel. Wichtig sei, „dass die Menschen weiter hingehen“.

Kimpel sagte, der Insolvenzantrag beeinträchtige das Bewerbungsverfahren nicht. Gemeinsames Ziel sei es, die Weberei weiter zu betreiben. Unter Umständen müsse der Kulturausschuss in einer früheren Sitzung über die Parisozial-Nachfolge entscheiden. Bisher sollte das Gremium am 8. Oktober den Zuschlag erteilen. Bewerbungen lägen bisher noch nicht vor, er habe aber schon Gespräche geführt, sagte Kimpel, ohne Namen zu nennen. Es sei nicht auszuschließen, dass der vorläufige Insolvenzverwalter bei der Suche nach einem Nachfolger mit am Tisch sitzen werde.

Erster Bewerber

Öffentlich Interesse bekundet hat bisher nur der Unternehmer Matthias Markstedt, Vorsitzender des Fördervereins Wapelbad. „Die Insolvenz ist für uns wie ein Lottogewinn, weil wir schneller und wahrscheinlich preisgünstiger an die Weberei rankommen“, sagte Markstedt der „Glocke“. „Wir stehen Gewehr bei Fuß. Das Kapital ist da.“ Die Weberei-Genossenschaft in Gründung werde fristgerecht zum 22. Juli ihr Konzept bei der Stadt einreichen. Konzept und Satzung lägen vor. Satzungsziel sei „der Erhalt der Weberei als Kulturstätte“. Zum 1. Oktober könne die Genossenschaft die Weberei übernehmen.

Problematisch sei der Zeitplan. Der vorläufige Insolvenzverwalter könne den Betrieb mit dem Insolvenzgeld für die Mitarbeiter bis Ende September weiterführen. Aber erst am 8. Oktober solle der Kulturausschuss eine Entscheidung treffen. Das sei zu spät, so Markstedt, weil der vorläufige Insolvenzverwalter früher einen Ansprechpartner für die Veräußerung des Inventars benötige. Er gehe davon aus, so Markstedt, dass der den Zuschlag bekomme, der auch die Weberei übernehme. Vorab sei zu klären, was tatsächlich zur Weberei und was der Brauerei gehöre. Im Wesentlichen handele es sich wohl um die technische Ausrüstung wie Mischpulte, Musikanlagen und Lichttechnik. War bei Verhandlungen vor drei Jahren mal von einer Abstandssumme von rund 100 000 Euro die Rede, rechnet Markstedt jetzt noch mit bis zu 50 000 Euro.

Kapitalgesellschaft

„Wir wollen eine Kapitalgesellschaft, die die Weberei weiterführt“, sagte Markstedt. Schon aus Gründen der Gemeinnützigkeit solle eine klare Trennung etwa zum Förderverein Wapelbad erfolgen. Am kommenden Montag habe man einen Termin beim Steuerberater und danach könne man direkt zum Amtsgericht und zum Genossenschaftsverband in Münster gehen. Sieben Unterzeichner für die Gründungsurkunde stünden bereit. Parallel lasse man die Gründung einer GmbH prüfen, die zwischengeschaltet werden könnte. Von der Entscheidung hänge ab, wo später der Geschäftsführer und die Mitarbeiter angestellt würden.

Markstedt stellte klar: „Wir können nicht nur mit Aushilfen und festen Mitarbeitern arbeiten. Wir wollen auch mit Ehrenamtlichen arbeiten.“ Die Genossenschaft soll einen Vorstand haben, der aus Markstedt und Hermann Dreesbeimdieke besteht. Für den dreiköpfigen Aufsichtsrat gebe es Aspiranten, die er aber noch nicht nennen wolle.

Markstedts Konzept

„Wir wollen aus der Weberei ein offenes Bürgerzentrum machen“, erklärte Markstedt das Konzept. Die Öffnungszeiten sollen verdoppelt werden auf 8 bis 24 Uhr an 7 Tagen in der Woche. Auch morgens um 8 Uhr solle man in der Weberei schon einem Kaffee bekommen. Mit Günter Klauke, der im Oktober in den Ruhestand trete, und Josef Honcia, der früher die Jazz-Reihe in Gütersloh geleitet hatte, habe man auch schon zwei Interessenten, die sich dort engagieren wollten. Honcia könne dort das eine oder andere Jazz-Konzert organisieren und sei schon interessiert, dort zu seinem 70. Geburtstag etwas aufzuziehen.

Einen Mittagstisch für Schüler will Markstedt einrichten und Nachhilfe anbieten. Sonntags soll es Veranstaltungen gegeben. Einen Geschäftsführer habe er schon in der Hinterhand, „einen Profi“. Die Belegschaft will er übernehmen. Alle Veranstaltungsreihen sollen ohne Abstriche weitergeführt werden, von Cable Street Beat bis zu GTown Music.

Vorteil eines zügigen Betriebsübergangs sei auch, dass einer Neuauflage des Gastspiels der GT Small Stars, das traditionell zwischen Weihnachten und Neujahr in der Weberei stattfindet, nichts im Wege stünde. Hätte Parisozial das Gebäude zum Jahresende besenrein übergeben müssen, hätte das wegen der Schließung wohl nicht geklappt.

Auf Anweisung von Parisozial hatte der Geschäftsführer der Weberei gGmbH am vergangenen Freitag einen Insolvenzantrag gestellt. Offizielle Begründung war eine – von der Stadt sofort dementierte – Kürzung des Zuschusses für das dritte Quartal.

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