Weihnachtskarte gegen Campina-Schließung
Menschen, keine Nummern: Etwa ein Drittel der Belegschaft des Friesland-Campina-Werks in Gütersloh protestierten im niederländischen Amersfoort vor der Konzern-Zentrale dagegen, dass ihr Standort geschlossen werden soll.

Um in der Verhandlung mit der Konzernspitze namhafte Unterstützer zu gewinnen, wollen sich die Molkerei-Mitarbeiter vielleicht sogar an den niederländischen König wenden.

Zwei Busse fahren Richtung Amersfoort

Etwa 70 Mitarbeiter von Friesland Campina in Gütersloh hatten sich am Montag um 7 Uhr in zwei Bussen auf den Weg zum Hauptsitz der Friesland Campina Gruppe gemacht. „Auch Partner und ehemalige Kollegen sind mitgefahren“, berichtete der Betriebsratsvorsitzende Frank Bollkämper. Berthold Hanebrink, Betriebsratsvorsitzender des Friesland Campina Werks Satro in Lippstadt, begleitete die Gütersloher Gruppe.

Vom Sicherheitsdienst empfangen

„Wir wurden gleich vom Sicherheitsdienst empfangen“, erzählte Bollkämper gegen Mittag. Die Geschäftsführung habe die Gruppe so schnell wie möglich durch einen Hintereingang ins Gebäude bringen wollen – um möglichst wenig Aufsehen zu erregen. „Aber wir sind nur zu fünft ins Gespräch mit der Geschäftsleitung gegangen“, sagt Bollkämper. Der Rest der Gruppe habe mit Trillerpfeifen lautstark demonstriert und mit Plakaten auf die für 2019 geplante Werksschließung hingewiesen.

„Schließung ist ja längst beschlossen“

Sido Schoustra, Jan Kruise, David Chatard und Roel van Neerbos aus der Geschäftsleitung hörten den Gütersloher Mitarbeitern zu. Bei Friesland Campina gebe es ein neues Modell, habe die Erklärung für die Umstrukturierung und die Werksschließung gelautet, berichtete der Betriebsratsvorsitzende. „Und wir passen da nicht rein“, habe er erwidert. Die Konzernleitung habe signalisiert, die Bedenken der Beschäftigten bei weiteren Planungen zu berücksichtigen. „Aber die Schließung des Gütersloher Standorts ist ja längst beschlossen“, sagte Bollkämper.

Gespräch mit dem Bürgermeister

„Wir greifen nach jedem Strohhalm, den wir zu fassen kriegen“, zeigte er sich weiterhin kämpferisch. Und die Campina-Friesland-Mitarbeiter in Gütersloh erhalten Unterstützung. Für Mittwoch habe Bürgermeister Henning Schulz (CDU) einen Termin mit dem Betriebsrat vereinbart, berichtet Bollkämper. Auch der SPD-Kreisvorsitzende Hans Feuß habe den Betroffenen zugesagt, sich für ihre Anliegen einzusetzen.

Ein Brief an den König

Die Idee, sich an König Willem-Alexander zu wenden, haben sich die Gütersloher von der Belegschaft des ehemaligen Campina-Milchwerks in Elsterwerda geborgt. Die hatte sich 2011, als Royal Friesland Campina das Aus für den Standort in Brandenburg angekündigt hatte, mit einem Brief an Königin Beatrix gewendet. „Nach lang andauernden Verhandlungen wurde der Betrieb von einem anderen Molkerei-Unternehmen übernommen“, sagt Bollkämper. Einen Verkauf an ein anderes milchverarbeitendes Unternehmen könne er sich auch vorstellen. Lieber wolle die Belegschaft aber bei Friesland Campina bleiben.

Extra-Schichten werden nicht mehr genehmigt

Die 231 Mitarbeiter im Werk an der Hans-Böckler-Straße arbeiten im Drei-Schichten-Betrieb rund um die Uhr. In den vergangenen Monaten sei oft auch an Samstagen und Sonntagen produziert worden, erläutert Bollkämper. Diese Extraschichten werde der Betriebsrat jetzt nicht mehr genehmigen. „Wir werden erst prüfen, ob wir profitabel arbeiten.“

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