Wenn auf Musikgenuss die Abmahnung folgt
Bild: Munkelt
Beraten zum Umgang mit Abmahnungen wegen illegaler Musik-Downloads aus dem Internet: Rechtsanwältin Juliane Brauckmann (links) und Jutta Hülsmann, Leiterin der Verbraucherberatung.
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Immer öfter folgt ein böses Erwachen: ein Brief von einer Anwaltskanzlei, die im Namen der Musik- oder Filmindustrie tausende Euro Schadensersatz fordert. Dann ist guter Rat gefragt – zum Beispiel von der Verbraucherzentrale. Sie rückt anlässlich des Weltverbrauchertags am 15. März illegale Downloads in Tauschbörsen und die zunehmenden Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen in den Fokus.

„Das Problem nimmt stetig zu“, sagt Jutta Hülsmann, die Leiterin der Gütersloher Beratungsstelle. Vorwiegend seien junge Leute betroffen. Seit einem Jahr bietet die Verbraucherzentrale in der Stadtbibliothek Beratung zum Thema an. Zwischen März und Dezember 2011 erhielt Jutta Hülsmann 78 Anfragen, seit Januar bereits 26. Landesweit waren es im vorigen Jahr 2500.

Download ist nicht anonym

Wer glaubt, er bewege sich anonym im Internet, wenn er bei einer Tauschbörse aktiv ist, der irrt, wie Juliane Brauckmann, Rechtsanwältin der Gütersloher Verbraucherzentrale, betont. Die Musikindustrie kann nachvollziehen, wer urheberrechtlich geschützte Dateien heruntergeladen oder auch zur Verfügung gestellt hat, und darf sich vom Internetanbieter des Kunden dessen Identität besorgen.

Und dann flattert eine Abmahnung ins Haus mit der Aufforderung, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben und binnen weniger Tage Schadensersatz zu zahlen – von 700 bis hin etlichen tausend Euro. Dass Verbraucherschützer diese Summen für maßlos übertrieben halten, ist eine Sache – Tatsache ist, dass der Vorwurf der Urheberrechtsverletzung in den meisten Fällen zutrifft. Schließlich verzichten nur die wenigsten Künstler auf das geldbringende Recht an ihren Produkten.

Brief keinesfalls ignorieren

Eines sollten die Adressaten keinesfalls tun: den Brief wegwerfen. „Dann geht der Fall vor Gericht und es kommen weitere Kosten hinzu“, warnt Juliane Brauckmann. Sie rät, sich umgehend beraten zu lassen und eine Fristverlängerung zu beantragen. Um nicht zahlen zu müssen, muss der Angeschriebene beweisen, dass er die Datei nicht heruntergeladen haben kann. „Ein Mandant konnte nachweisen, dass er zum fraglichen Zeitpunkt im Urlaub weilte“, nennt die Rechtsanwältin ein Beispiel. Der Bösewicht war ein Nachbar, der sich in das W-Lan-Netzwerk des Mannes eingeloggt hatte.

Immer mehr Kanzleien entdecken lukrativen Geschäftszweig

Immer mehr Kanzleien spezialisieren sich auf das Eintreiben von Schadensersatz bei den Nutzern von Tauschbörsen. „Mit diesem Modell können Anwälte richtig Geld verdienen“, so Jutta Hülsmann von der Gütersloher Verbraucherberatungsstelle. Sie schocken den Angeschriebenen oft mit der Nennung eines fünfstelligen Streitwerts (durchschnittlich 13 000 Euro). Allerdings böten die Kanzleien in ihren Schreiben in der Regel gleich mit an, dass der Beschuldigte mit durchschnittlich 700 Euro aus der Patsche sei.

Tipp: Rechtsberatung in Anspruch nehmen

Statt panisch zu zahlen, solle man sich jedoch beraten lassen, rät Hülsmann. Das treffe besonders auch Fälle, in denen nicht der Internetanschlussinhaber, sondern Dritte, zum Beispiel seine Kinder oder Mitbewohner, den Rechtsbruch begangen haben. „In der Rechtsprechung ist es total uneinheitlich, inwieweit jemand für Dritte haften muss“, so Rechtsanwältin Brauckmann.

„Finger weg von Tauschbörsen“

Die Verbraucherzentrale bietet für 80 Euro Rechtsberatung und -vertretung an. Und sie rät klipp und klar: „Finger weg von Tauschbörsen.“

Ausführliche Hinweise:

www.vz-nrw.de

www.klicksafe.de

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