Wenn und wovon das Theater träumt
Foto: Osterhelweg
Andreas Ksienzyk im Dialog mit einer Socke: Das ist nicht die einzige aberwitzige Situation, die Christian Schäfers jüngste, von den Filmern Marwin Gansauge und Kai Uwe Oesterhelweg aufgenommene Online-Produktion „Das Theater träumt“ zu bieten hat.
Foto: Osterhelweg

In seiner jüngsten Online-Produktion „Das Theater träumt“, dem dritten „Wir-lassen-uns-von-Corona-nicht-unterkriegen“-Projekt, nimmt Theaterleiter und Regisseur Christian Schäfer die Zuschauer mit auf eine ebenso spannende wie poetische, eine ebenso gespenstische wie verblüffende Reise in das geheimnisvolle Reich zwischen Orchestergraben und Bühnenhimmel. Auf unerwartete Weise gelangt das junge, anfangs voneinander genervte Paar Maria und Marius (Miriam Berger und

Tipp: Die Gütersloher Theatermacher wollen sich mit ihrer dritten Online-Produktion als krisenkonsistente Arbeitgeber. Indem Christian Schäfer befreundete Autoren mit Geschichten beauftragte und den Schauspielern, die in seinen bisherigen Inszenierung mitspielten, auch jetzt wieder Rollen gab, hilft er diesen freischaffenden Künstlern in Zeiten, die wenig oder gar kein Einkommen bringen, weil andere Auftritts- oder Verdienstmöglichkeiten coronabedingt fast alle abgesagt worden sind. Kulturfreunde, die dieses Ansinnen und den Kulturbetrieb unterstützen möchten, können über die Internetseite des Theaters freiwillig sogenannte virtuelle Tickets zu einem Preis nach Wahl erwerben. Der Erlös kommt den Künstlern zugute.

Mario Neumann) ins Haus und wird von einer Stimme aus dem Off ge- und auch verführt. „Ich lüge, ich fabuliere, ich lenke ab“, gesteht das Theater. „Und wenn ich Glück habe, sage ich genau dadurch die Wahrheit.“ Philosophie nicht nur für Nachtschwärmer.

Sieben namhafte Autoren hat Schäfer beauftragt, darunter die Ingeborg-Bachmann-Preisträger Nora Gomringer und Tilmann Rammstedt, um für jede Theateretage eine Geschichte zu entwickeln, eine besondere Begegnung zu schaffen. Im Fahrstuhl regiert der Punk – dank der vermummt auftretenden Rietberger Band Brausepöter. Auf der Studiobühne interpretieren Pianist Peter Kreutz und Strahle-Tenor Kieran Carrel Schuberts „Frühlingstraum“. In der Skylobby machen sich dank Christiane Hagedorn Maskenpflicht und Verschwörungstheorien breit.

Im Foyer lamentiert eine Einlassdame (Christine Diensberg) über ihre Erfahrungen mit dem Publikum – „brüllen, schluchzen, kichern, dann Stille“ – und Andreas Ksienzyk liefert als Shakespeare im Schutzanzug mit „Streaming oder Nichtstreaming, das ist hier die Frage“ einen zeitgemäßen, Corona-kompatiblen Hamlet ab. Den Segen bekommt die ganze Mannschaft von Schäfer höchstpersönlich, der zwischendurch mal als Priester auftaucht.

Am Ende trifft das Paar auf dem Dach auf den Klar- und Wahrseher, der mit Blick auf die dort oben stattfindende theatereigene Gütersloher Honigproduktion erklärt: „Die Zukunft der Welt liegt im Summen der Bienen“ – ehe er die Theatertraumfänger mit einem „Lebt und spielt“ in die Realität zurückschickt. Unbedingt ansehen!

www.theater-gt.de

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