Westfälische Kompositionen uraufgeführt
Bild: Kreyer
Uraufführung von Werken westfälischer Komponisten im Theater Gütersloh: (v.l.) Klarinettist John Corbett, Martin Christoph Redel, Simone Seiler und Stefan Heucke.
Bild: Kreyer

 Sie fand am Sonntag auf der Studiobühne des Theaters statt, wo das Duo Imaginaire, Simone Seiler (Harfe) und John Corbett (Klarinette),  bereitstand.

Spannung lag über dem Raum. Hinter den großen Scheiben der Studiobühne sah man die dunkle Stadt, davor stimmte die Harfenistin gelassen ihr imposantes Instrument. Den Anfang machte Frank Zabels (1968) „Von fremden Moosen und Gräsern“, die er eine „liebevolle Verballhornung von Schumanns „Von fremden Ländern und Menschen“ nennt. Zart fließende Bewegungen auf den Harfensaiten, schnarrende Laute der Klarinette in nicht fest gelegten Tempi charakterisierten die sieben sehr kurzen Miniaturen: unterschiedliche Stimmungen inspiriert von Naturbildern.

In seiner „Serenata malinconica“, sagte der Komponist Stefan Heucke (Jahrgang 1959), liege der Reiz im „Wechselspiel der singenden und gezupften Stimme“. Der Zuhörer war aufgefordert, seine „Assoziationen über die melancholische Serenade“ kreisen zu lassen. Das gesangliche Thema immer wieder aufgreifend, war es, als umschlängen sich Corbett und Seiler virtuos, um sich im harmonischen Dialog zu vereinen.

Auch Martin Christoph Redel (1947) gab vergnügt kurze Einblicke in sein „Arparinetto – Tre pezzi per clarinetto ed arpa op. 71“. Und wieder ein Namensspiel – aus Harfe und Klarinette wird Arparinetto – wobei sich in den drei Sätzen „die Verspieltheit mit Biss“ nachhören ließe. Mit den Händen und einem Schlegel bearbeitete Seiler Saiten und Rahmen ihrer Harfe. Corbett griff zur Bassklarinette und setzte dynamisch differenziert – einem Aufschrei gleich – schrille Akzente. Technische Herausforderungen fanden sich für beide Musiker auch in Dietrich Hahnes dicht gewebten „Metanoia“. Gegensätze von Ausdrucksphären, auch hier außermusikalisch inspiriert von Pasolinis Film „Accattone“, sind reizvoll in ihrer Wiederholungsseligkeit, die an Minimal Music erinnert. Corbett und Seiler waren perfekt aufeinander abgestimmt und überzeugten mit Bravour in ihren Soloparts.

Welche Bilanz lässt sich ziehen? War es westfälisch? Kaum. Als Werke „Neuer Musik“ haben die Stücke eher traditionellen Charakter. Für die seltene Besetzung Harfe und Klarinette waren es vier neue Experimente. Das Duo Imaginaire wird sie demnächst noch in fünf weiteren Städten Westfalens präsentieren.

SOCIAL BOOKMARKS