Wie Gütersloh sich gegen Hochwasser wappnet
Foto: Dinkels
Die Renaturierung der Dalke dient auch dem Hochwasserschutz.
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„Aufgrund der Topographie in der Stadt mit ihrer weitläufigen Flächigkeit wird es auch bei sehr großen Regenmengen nicht zu der Fließgeschwindigkeit kommen, die in Orten wie Erftstadt, Altena oder Neuenahr-Ahrweiler Menschen, Tiere, Häuser, Autos und Bäume mitgerissen hat“, erklärte Sprecherin Susanne Zimmermann am Montag auf Nachfrage. 

Auch Gütersloher teilweise unter Wasser

Fest stehe aber auch: Bei Regenmengen, wie sie stellenweise in der vorigen Woche niedergegangen seien, stünde auch Gütersloh wohl mindestens teilweise unter Wasser. „Auf solche außergewöhnlichen Starkregenereignisse kann der Hochwasserschutz nur bedingt vorbereiten“, erklärte Alfons Buske, Leiter des Fachbereichs Tiefbau. Aber die Stadt stelle sich aktiv der Aufgabe, die über den reinen Hochwasserschutz hinausgehe. 

So hat die Stadt 2018 einen Bericht zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels mit einem Maßnahmenkatalog erarbeitet, der im Jahr 2019 von der Politik als Handlungsempfehlung beschlossen wurde. Erst kürzlich hatte die Verwaltung im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz einen Zwischenbericht vorgestellt. 

Runde beim Bürgermeister

An diesem Montag hat Bürgermeister Norbert Morkes (BfGT) eine Runde von Fachleuten aus dem Rathaus zusammengerufen, um sich selbst ein Bild zu machen. Sein erstes Fazit laut Antwort aus dem Rathaus: „Gütersloh hat frühzeitig die Notwendigkeit erkannt und sich auf den Weg gemacht. Die konsequente Renaturierung der Dalke ist dafür nur ein Beispiel.“ 

Gütersloh sei unter den Kommunen unter anderem mit einer flächendeckenden Ermittlung der Fließwege aufgrund der Gütersloher Topographie Vorreiter. Sie zeige auf, wie sich Wasser bei größeren Regenmengen ausbreite und wo es sich in Senken sammle. Aus dieser Gefährdungs- und Risikoanalyse soll ein Handlungskonzept entwickelt werden, das Ende 2022 vorliegen soll. Das Projekt wird vom Land gefördert. 

Bauleitplanung wichtig

Die Dalke sei inzwischen auf 17,5 Hektar Fläche renaturiert. Dort könne sich das Gewässer bei Starkregenereignissen ausbreiten. Dort und auch bei der beabsichtigten Renaturierung der Lutter sei die Umsetzung jedoch von der Möglichkeit des Flächenerwerbs abhängig, was nach Auskunft des Fachbereichs Grünflächen nicht immer einfach sei.

Wesentlich beim Hochwasserschutz sei zudem die Frage der Festsetzung und Schaffung von Freiflächen und Versickerungsmulden in Neubaugebieten. „Klima- und damit Hochwasserschutz fängt schon in der Bauleitplanung an“, sagt Morkes. Er nennt als Beispiele die Krullsbachaue, das Gebiet „Auf dem Stempel“, Orionweg oder aktuell das Neubaugebiet an der Ahornallee. 

Stadt fördert Dachbegrünung

„Insgesamt gilt es, so viel Niederschlagswasser wie möglich zurückzuhalten. Dazu dienen unter anderem eine möglichst geringe Versiegelung der Baugrundstücke und eine Dachbegrünung. Letztere fördert die Stadt.“ Hochwasserschutz sei zudem eine ortsübergreifende Aufgabe, heißt es aus den Reihen der Fachleute. So plane Bielefeld ein Regenrückhaltebecken für die Lutter im Grenzgebiet der Städte, das 2022/2023 fertiggestellt werden solle und auch Isselhorst zu Gute komme. 

Die Broschüre „Alles klar bei Starkregen“ der Verbraucherzentrale biete Hilfe, selbst vorzusorgen, heißt es von der Stadt. Die Broschüre kann im Internet heruntergeladen werden.

www.guetersloh.de

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