Wolfgang Haffner - Mann mit goldenen Handgelenken
Bild: Hein
Da wummst die Basstrommel, wirbeln die Schlagstöcke in lauten Klangwolken: Schlagzeuger Wolfgang Haffner stand als Bandleader im Mittelpunkt des Jazz-Abends im Theater, den er zusammen mit Simon Oslender am Piano und Claus Fischer an der Bassgitarre bestritt.
Bild: Hein

Willkommen zu einer ganz besonderen Haffner-Show auf der Theaterbühne. Obwohl Haffner gut Klavier spielt – das Schlagzeug bleibt sein Ein und Alles. Den Klang von Snare, Toms und Becken, die hellen und die dumpfen Töne immer wieder neu zu untersuchen, das ist seine Mission. Das heimische Publikum verfolgt das – fasziniert von wechselnden Grooves und variierender Dynamik.

In der reduzierten Triobesetzung gibt es mehr Haffner, aber deshalb nicht weniger Musik zu entdecken. „A kind of Spain“, sein jüngstes Album, bietet viel Material dafür. Anders als bei der gleichnamigen Tournee begleitet ihn keine große Band mit namhaften Solisten, stattdessen ein junger, hochbegabter Pianist, Simon Oslender. Mit ihm reift eine neue Musikerpersönlichkeit heran. Haffner schätzt und fördert das Nachwuchstalent: „Jeder will ihn haben,“ stellt er den Mann am Flügel und Rhodes-Piano vor, den er im Vorjahr zur großen Südostasien-Tour eingeladen hatte, nach Indien, vorher Südafrika. „Als wir den Auftakt in Namibia spielten, im Oktober in Windhook, da haben wir uns bereits vorgenommen, dass wir zu Ihnen nach Gütersloh kommen müssen.“

Zum ersten Mal im Trio zupft Claus Fischer die Saiten der Bassgitarre. Ein bewanderter und elegant spielender Musiker, der als Mitglied der „Heavytones“ bei „TV total“ und Anke Engelkes „Electric Ladyband“ bekanntgeworden ist. Fischer verheimlicht seine Herkunft aus der Unterhaltungsbranche nicht, fügt auch gern Effektgeräte in Läufe und Akkordspiel ein. Das macht das Klangbild lebendig, ohne aufdringlich zu wirken.

In diesem musikalischen Raum tobt sich der Chef des Abends reichlich aus. Sanft nähert er sich seinem Instrument, streicht beinahe liebevoll über die Beckenlandschaft vor ihm. Die große Kraft seines Schlaginstrumentariums entfaltet sich erst im Verlauf des Konzerts. Da ist er auch wieder, der Funk, der Wolfgang Haffner so viel Spaß bereitet, und auch die Stille, die auszuloten ihm Freude bereitet. Es scheint, er wolle die Stecknadeln im Saal fallen hören – bevor er in gewaltiges Donnern wechselt.

Von da an gibt es für ihn kein Halten mehr. Da wummst die Basstrommel, wirbeln die Schlagstöcke in lauten Klangwolken. Er ist ein Mann mit goldenen Handgelenken. Und wird beim nächsten Besuch an der Dalke wohl wieder hinter andere Größen zurücktreten.

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