Wrestling-Kämpfer begeistern ihre Fans
Bild: Inderlied
Im Anflug: Spektakuläre Flugaktionen wie hier von Julian Nero brachten bei der „We Love Wrestling“-Veranstaltung am Freitagabend die Zuschauer im Kleinen Saal der Stadthalle zum Toben.
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Der Auftakt zum einzigen Damenkampf der „We love Wrestling“-Veranstaltung am Freitag ist ganz nach ihrem Geschmack: martialisch brutal und doch nur Fiktion. Jede Bewegung, jeder Angriff und vor allem jede unfaire Aktion ist abgesprochen. „Es ist eine Show“, erklärt Sebastian Hollmichel, einer der Mit-Organisatoren der ersten Wrestling-Veranstaltung in Gütersloh. „Die Gesundheit ist absolut wichtig. Jeder Kämpfer muss für den anderen Sorge tragen.“ Die Aktionen im Ring bezeichnet er als „improvisiertes Actiontheater“. Natürlich sei der Ausgang einer Auseinandersetzung vorher bekannt. „Der Weg ist das Ziel“, philosophiert Hollmichel.

Reines Schauspiel

Es ist also reines Schauspiel, dass sich die Killer Kelly außerhalb des Rings mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden wälzt und den Schlägen ihrer Konkurrentin nicht ausweichen kann. „Sie ist kampfunfähig“, ruft der Ringrichter und will den Kampf gar nicht starten lassen. Doch die Killer Kelly kriecht zum Ring, zieht sich mit (scheinbar) letzter Kraft in den selben – und greift ihre Widersacherin an. Am Ende wird sie den Kampf sogar gewinnen. Sehr zur Freude der Zuschauer, die die Athleten hautnah erleben können, weil sie ihre Plätze direkt am Ring haben.

Schlagfertige Kämpferinnen

Und sogar Teil der Darbietungen werden. Laute Zwischenrufe rufen immer wieder Lacher hervor – und beeinflussen teilweise sogar die nächsten Aktionen. Auch die beiden einzigen Frauen, die angetreten sind, müssen sich einiges anhören. „Du bist uncool“, schallt es der Coburgerin Melanie Gray aus dem Publikum entgegen. Gray mischt die Wrestling-Liga als Diva auf. Schlagfertig ist die toughe Frau auf jeden Fall: „Immer noch cooler als du“, lautet ihre Antwort in Richtung des Rufers. Und auch die Portugiesin, die mit bürgerlichen Namen Raquel Lourenco heißt, bekommt ihr Fett weg. „Kelly, die Heimarbeit ruft“, schreit ein Witzbold.

Sieger und Schwächlinge

 Auch bei den übrigen Fights kommen die Zuschauer auf ihre Kosten. Da wird mit dem Ellenbogen „geprügelt“, der Gegner in den Schwitzkasten genommen oder übel getreten. Vieles geschieht hinterrücks, oft wendet sich im Laufe einer Auseinandersetzung innerhalb von Sekunden das Blatt. Aus einem triumphierenden Sieger wird ein um Gnade winselnder Schwächling. Ziemlich viel Theater!

Interaktion gehört zur Show

Publikumsliebling oder böser Bube, durchtrainierter Athlet gegen übergewichtigen Ringer: Das Publikum kann sich entscheiden, welchem der Kämpfer es die Daumen drückt. Kaum einen hält es auf seinem Stuhl, als die Gladiatoren zu brachialer Rockmusik einmarschieren und sich mit überheblichen Posen produzieren. Schnell wird klar, dass die Interaktion mit den Besuchern gewünscht ist. Ringsprecher Thomas Giesen ruft ins Mikrofon: „Werft euren Nebenmann in den Ring. Ihr seid Teil des Geschehens.“

Handzahme Athleten

Wenn die Schlacht geschlagen ist und die Kämpfer aus dem Saal humpeln, verwandeln sich die Bestien in handzahme Athleten, die für jeden ein freundliches Wort haben. Zum ersten Mal gastierte die Wrestling-Liga WXW in Gütersloh. Im Juni 2019 kommen die Kämpfer wieder.

Faustschläge wie von Bud Spencer

Bleibt die Frage, ob es jugendfrei ist, wenn auf am Boden liegende Menschen weiter eingeprügelt wird. Die jungen Fans scheinen aber einen eigenen Zugang gefunden zu haben. „Wir üben immer auf dem Trampolin im Garten“, sagt der elfjährige Lukas aus Wiedenbrück, der wie sein Bruder Christoph in Ringnähe strahlende Augen bekommt. Mutter Maria Linnemann begleitet ihre Söhne. Ehemann Jürgen, Inhaber der Gaststätte „Alte Tenne“ in Wiedenbrück, fühlt sich in alte Zeiten versetzt: „Die Ohrfeigen und Faustschläge erinnern an die Filme mit Bud Spencer.

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