Zahnärzte über Medikamente informieren
Bild: Oelgemöller
Über Erkrankungen und Medikamenteneinnahmen ihrer Patienten müssen Zahnärzte vor der Behandlung informiert sein. Beim 65. Zahnärztetag in Gütersloh beschäftigen sich bis Samstag 2800 Teilnehmer mit dem Thema. Eingeladen haben (v. l.) Jost Rieckesmann, Vizepräsident der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe, Tagungspräsident Prof. Dr. Dr. Torsten Reichert, Fortbildungsreferentin Dr. Martina Lösser und Dr. Klaus Bartling, Präsident der Zahnärztekammer.
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Unter dem Titel „Was der Patient mitbringt: allgemeinmedizinische Befunde als Herausforderung in der täglichen Praxis“ tauschen sich bis Samstag 2800 Teilnehmer des 65. Zahnärztetags in Gütersloh zu dem Thema aus.

Genügend Zeit für das Vorgespräch mit dem Patienten nehmen

Vor allem ältere Patienten bekämen unter zahnärztlicher Behandlung häufiger Probleme, erklärt Tagungspräsident Prof. Dr. Dr. Torsten Reichert gestern vor der Eröffnung der Veranstaltung. Aufgrund des demografischen Wandels nehme ihre Zahl in den Praxen stark zu. In Verbindung mit der Einnahme beispielsweise von Gerinnungshemmern sei es möglich, dass es nach der Behandlung zu intensiven Blutungen komme.

Bei anderen Wechselwirkungen könne der Blutdruck absacken, im schlimmsten Fall sogar ein Herzstillstand eintreten. „Deshalb ist es wichtig, dass wir über Krankheiten und Medikamente informiert sind“, führt Reichert aus. Für das Vorgespräch sollten sich Zahnärzte deshalb ausreichend Zeit nehmen. Zugleich sei es Aufgabe des Patienten, Veränderungen bei der Medikamenteneinnahme direkt mitzuteilen.

„Viele wissen gar nicht, was sie überhaupt einnehmen“

„Der Alltag zeigt allerdings, dass viele gar nicht wissen, was sie überhaupt einnehmen“, ergänzt Dr. Klaus Bartling, Präsident der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe. Die Rede sei dann beispielsweise von blauen, kleinen Tabletten. „Patienten müssen ein Bewusstsein dafür bekommen, dass sie die Medikamente auch beim Zahnarzt angeben.“

Die Ärzte wiederum müssten ein besonderes Augenmerk legen auf Symptome in der Mundhöhle, die auf andere Krankheiten und Ursachen hinweisen können, betont Reichert. Dazu zählten Pilzinfektionen, „die immer eine andere Ursache haben. Niemand hat einfach so eine Pilzinfektion im Mund“, aber auch ein vermehrtes Zahnfleischbluten. Hintergrund können mitunter schwere Krankheiten wie Leukämie sein, „die man im Mundraum früh erkennen kann“. Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist, dass Zahnärzte ausreichend Kenntnisse im Bereich der Allgemeinmedizin haben. Reichert: „Die Zahnheilkunde wird immer humanmedizinischer.“ Dort setzt die Tagung an.

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