Zauberhafte Serenade im Parkbad
Bild: Kreyer
Wie gemacht für eine Serenade: Die laue Sommernacht bescherte der Westfälischen Kammerphilharmonie am Samstag „voll Haus“ beim Open-Air-Konzert im Gütersloh Parkbad.
Bild: Kreyer

 Was drei intensive Probentage bei engagierten jungen Musikern und Solisten aus verschiedenen Orchestern bewirken, davon konnte man sich am Samstag überzeugen. Von den letzten Sonnenstrahlen leicht geblendet, stimmte der Fördervereinsvorsitzende des Orchesters, Volker Wilmking, die 500 Besucher auf einen Sommerabend ein, „der geradezu nach einer romantischen Serenade schreie“. Wie ein musikalischer Hauch huschte Modest Mussorgskis kurzes „Scherzo B-Dur“ vorbei, um gleich darauf Platz zu machen für das melodienselige Konzert für Harfe und Orchester Es-Dur op. 74 von Reinhold Glière. Mit einem feinen Gespür für zarte und lyrische Stimmungen gab sich Harfenistin Jasmin-Isabel Kühne höchst virtuos. Im spielfreudigen Dialog stimmte das Orchester ein, angeregt durch das subtile Dirigat Malte Steinsieks. Eine wunderbar dahin- gleitende Musik, die ihren Ursprung im Volkstümlichen fand.

Erkannte so mancher „Am Abend op. 14“, so stutzte er beim Namen des Komponisten Zdenek Fibich. Melodisch und unterhaltsam war dieser Ohrenschmaus, ausgewählt aus nahezu 600 Werken des Komponisten. Und wer hätte nicht gern mitgetanzt bei Leos Janaceks „Mährische Tänzen“? Als eifriger Sammler von Volksliedmelodien hat Janacek sie als Tanzsuiten orchestriert. Dem jungen Orchester lag die Lebensfreude der slawischen Tänze. Sie inszenierten ein rhythmisch und dynamisch faszinierendes Klanggeschehen. Auch wenn die technisch ausgewogene Tonsteuerung auf der Strecke blieb – der Funke sprang dennoch über.

Unbeirrt von den tirilierenden Drosseln, entführten die Musiker in ein kleines böhmisches Dorf mit Vitezslav Novaks „In der Kirche“. Sakral in der Stimmung, folgte man dem lustigen Reigen „Unter Kindern“ und schwelgte wie „Die Verliebten“.

 Wie aus einer Wundertüte zauberte Malte Steinsiek die erste Zugabe. Denn mit der herausragenden Soloklarinettistin Sabine Grofmeier, die in der Presse gern mit ihrer berühmten Kollegin Sabine Meyer in einem Atemzug genannt wird, war ihm eine Überraschung gelungen. Ausdrucksstark und warm intonierte sie Fiebigs „Idyll“ op. 16. Viel zu kurz war der Genuss. Zum Abschluss gab es noch einen Tanz von Janacek und dann prasselte der Applaus. Bleibt die Vorfreude aufs nächste Jahr. Dr. Silvana Kreyer

SOCIAL BOOKMARKS