Brems: „Milchmenge verringern“
Bild: Bitter
Bäuerliche Milchviehhaltung im Witten Sand von Harsewinkel (v. l.): Grünen-Landtagsabgeordnete Wibke Brems (Gütersloh), Bioland-Vizepräsidentin und Hofherrin Stephanie Strotdrees, Auszubildende Ann-Kathrin Steinmann aus Wuppertal und die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Harsewinkeler Stadtrat, Brunhilde Leßner.
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Brehms befürchtet, dass angesichts der miserablen Preise für Milch weitere bäuerliche Betriebe die Krise nicht überleben werden. Allein im Jahr 2015 hätten 223 Milchkuhhalter aufgegeben, merkte sie an.

Stephanie Strotdrees, Vizepräsidentin des eingetragenen Vereins Bioland, räumte ein, dass sie als Bioland-Betrieb im „Witten Sand“ von Harsewinkel noch nicht direkt betroffen sei, aber mit großer Sorge auf die Entwicklung am Milchmarkt schaue. Ihre Überzeugung: „Ein beschleunigter Strukturwandel in der Landwirtschaft verdrängt bäuerliches Leben. Industrialisierte Produktion von Agrargütern bedroht konventionelle und biologische Landwirte fast gleichermaßen.“

Die Frau vom Fach hält es nicht für erstrebenswert, neue internationale Märkte zu erschließen und die Milcherzeugung einem grenzenlosen Mengenwachstum samt Preiskampf zu überlassen. Ihr Ziel: Durch eine Reduzierung der Milchmenge zu einem vernünftigen Auszahlungspreis durch die Molkereien zu kommen. Ein Weg wäre für Stephanie Strotdrees: „Die Bauern tun sich zusammen gegen die Molkereien und bilden Milchliefergemeinschaften.“

Die Landespolitikerin Wibke Brems sieht Handlungsbedarf bei der Bundesregierung. „Sie sollte die französischen Vorschläge zur Verringerung der Milchmenge aufgreifen und sich in einem gemeinsamen europäischen Vorgehen dafür einsetzen“, meinte sie. Langfristig sei eine bessere Wertschöpfung zu erzielen. Statt immer billiger zu produzieren, sollte die Landwirtschaft auf Qualitätsprodukte wie Bio- und Weidemilch setzen.

Brunhilde Leßner, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Harsewinkeler Stadtrat, hält eine flächengebundene Tierhaltung für geboten. Die Abhängigkeit von globalen Strukturen lässt sich nach Überzeugung der Biobäuerin Strotdrees nur minimieren, wenn landwirtschaftliche Produktion sich nachhaltig und regional an den Wünschen der Verbraucher orientiert.

Die Landtagsabgeordnete der Grünen stellt sich – auch im Sinne der Umwelt und des Tierwohls – ein „Soforthilfeprogramm für betroffene Bäuerinnen und Bauern“ vor, das mit dem Aufbau von Kleinmolkereien für eine direkte regionale Vermarktung verbunden ist.

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