80. Geburtstag: Die bewegten Jahre des Heiner Bessmann
Bild: Blumenstein
Seinen 80. Geburtstag feiert der Marienfelder Unternehmer Heiner Bessmann am heutigen Samstag. Im Hintergrund rechts sein Lieblingsfachwerkhaus auf dem Firmengelände an der B 513.
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Gefeiert wird mit 220 Gästen in der Klosterpforte. Unter ihnen wird Bessmanns ältester Freund sein: Franz Fölling, gebürtiger Wiedenbrücker. Mit ihm verbrachte er viel Zeit auf der Walz.

„Ich war der Älteste, ich musste auch Maßschneider werden“

Geboren als eines von sechs Kindern des Marienfelder Schneiders Anton Bessmann, erlernt Heiner beim Vater das Handwerk („Ich war der Älteste, ich musste auch Maßschneider werden“). Der Vater war aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, hatte Stalingrad überlebt und übernahm die Familienschneiderei. Den Grundstein für das heutige Unternehmen hatte 1898 der aus Greffen stammende Hermann Bessmann gelegt, Heiners Bessmanns Großvater.

Kaum volljährig, zieht es Heiner Bessmann auf Wanderschaft. Erste Station 1957: Köln. „In dem Betrieb bin ich nach drei Tagen rausgeflogen, stand ohne alles auf der Straße. Ich hatte Einstand und Ausstand dort gegeben, danach war ich blank.“ Er bittet bei Kolping um Asyl – „aber die haben mich abserviert“, erzählt er, ein Schmunzeln im Gesicht. Aufgeben? Kommt nicht in Frage.

Wanderjahre führen von Köln bis Ägypten

Der siebte Schneider hat schließlich Arbeit für ihn. Lange bleibt Bessmann nie an einem Ort. Von Köln geht es in die Schweiz, dann nach Istanbul. Das Wunschziel Indien fällt aus. „Ich hatte kein Visum.“ Er setzt nach Nordafrika über. Von Ägypten reist der Geselle über Tunesien nach Sizilien. „Da bin ich als Tramper mit den Mafia-Leuten gefahren. Die hatten die luxuriösesten Autos.“ Und dann? „Wollte ich zum Geburtstag meiner Oma nach Hause. Hals über Kopf.“

1961 ist Heiner Bessmann wieder in Marienfeld. Er macht sich selbstständig, leiht sich Maschinen, beginnt im Auftrag anderer Hersteller zu nähen und besorgt so Arbeit für vier Mitarbeiter seines Vaters. „Der war froh, denn die Maßarbeit lief nicht mehr.“ Dann verlagern die ersten großen Betriebe die Produktion von Konfektionsware ins Ausland. „Und ich musste mir wieder was einfallen lassen.“ Parallel zur Lohnfertigung fängt er an, Bekleidung „für die Dame“ zu fertigen und im eigenen Fabrikverkauf über der Näherei anzubieten – die Erfolgsgeschichte der „Bekleidung Fabrik Heiner Bessmann seit 1898“ nimmt ihren Lauf.

Fachwerkhäuser als Markenzeichen fürs wachsende Unternehmen

Gute Ware zum günstigen Preis – das spricht sich schnell herum. Bessmann baut aus, konzentriert sich auf die Eigenproduktion und beschließt, das Fachwerkhaus als Markenzeichen zu verwenden: „Das ist landschaftstypisch und heimelig.“ 25 Gebäude lässt er in den folgenden Jahrzehnten ab- und auf dem 35 000 Quadratmeter großen Areal an der B 513 wieder aufbauen. In Kürze soll wieder eins hinzukommen: Ein Fachwerkhaus aus Brackwede steht bereits weitgehend restauriert bereit. Der Bauantrag bei der Stadt Harsewinkel ist gestellt.

Sponsor des Marienfelder Bürgerhauses

Der Unternehmer und alleinerziehende vierfache Vater Heiner Bessmann arbeitet sieben Tage die Woche für Firma und Familie, stillt aber auch seinen Bildungshunger („Ich habe mich immer für Politik und andere Lebensformen interessiert“) und unternimmt Seminarreisen durch die ganze Welt. „Siebenmal habe ich die Erde umrundet“, hat er zusammengerechnet. Und er engagiert sich für das Klosterdorf, schenkt Marienfeld unter anderem das 2018 eingeweihte Bürgerhaus. „Marienfeld ist meine Heimat.“

2001 wird die eigene Näherei geschlossen. Heute verkauft die Firma Markenware von mehr als 100 Herstellern an sechs Standorten in Deutschland und beschäftigt 280 Mitarbeiter. Seit 2003 agiert Sohn Volker Bessmann (51) als Geschäftsführender Gesellschafter. „Zu meiner großen Erleichterung führt er die Firma weiter“, sagt Heiner Bessmann.

„Auf meine Kinder bin ich in meinem Leben am stolzesten“

Bei der großen Geburtstagsfeier ist selbstverständlich die Familie mit von der Partie, darunter die acht Enkel. „Auf meine vier Kinder bin ich in meinem Leben am stolzesten“, betont Heiner Bessmann. „Ich freue mich sehr, dass sie alle gut geraten sind.“ Gesundheitlich hat der 80-Jährige schwer zu kämpfen – mit Multipler Sklerose und einer daraus entstandenen Trigemiusneuralgie, die stärkste Schmerzen verursacht. Doch unterkriegen lässt er sich nicht: „Ich war immer wissbegierig und bin es bis heute.“

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