Alles dreht sich um Deutschland
Bild: Mense
„Deutschland: Wir bitten um Ihr Verständnis“ – mit diesem Programm trat Christof Stählin im Heimathaus auf.
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Gut 50 Gäste waren ins Heimathaus gekommen, um den Künstler zu erleben, der seit mehr als 40 Jahren im selten gewordenen Genre des literarischen Kabaretts auf den Bühnen aktiv ist. In den 70er- und 80er-Jahren war der inzwischen 69-jährige Stählin auch des Öfteren Gast im Gütersloher Folkclub. Bei der letzten Veranstaltung des Kultur- und Bildungsvereins (Kubi) in diesem Jahr präsentierte der Stilist sein Programm „Deutschland: Wir bitten um Ihr Verständnis“. Das feierte 2008 seine Premiere und ist schon Stählins zweites Bühnenprogramm, das sich dem Thema Deutschland widmet. 1986 hieß es noch „Mag denn keiner die Bundesrepublik?“. Aber die Frage ist die gleiche geblieben, geändert haben sich nur die Zeiten.

Schwarz-rot-goldene Fahnen zur WM

Das wird auch an Stählins Lied zur Wiedervereinigung deutlich, das er als Abschluss des regulären Programms spielt: „Deutschland, Deutschland unter andern. Lasst uns friedlich unterwandern, was sich neu zusammenstellt.“ Vorher hat der „entschiedene Anhänger der Romantik“ diagnostiziert: „Das Nationalgefühl in Deutschland liegt in einer Art Wachkoma, es sprudelt, wie es will.“ Die vielen schwarz-rot-goldenen Fahnen bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und die Frage nach den Motiven der neuen Begeisterung für das eigene Land waren der konkrete Auslöser für das aktuelle Programm des Sängers, zu dessen Werk außer sechs CDs auch mindestens genauso viele Bücher mit Gedichten, Texten und Aphorismen gehören. Von den Germanen bis zur Gegenwart reicht das zeitliche Spektrum der Streiflichter, Betrachtungen und Szenen aus dem Alltagsleben am Sonntagabend, immer wieder unterbrochen von eigenen oder alten Volksliedern. Stählin spielt zu seinem Gesang auf einer Vihuela, einem zwölfsaitigen spanisch-arabischen Instrument, das seine Blütezeit in der Renaissance erlebt hat. Dass Christof Stählin auch in Westfalen auf eine Fangemeinde bauen kann, zeigte sich auch in Harsewinkel. Denn in der Pause und nach dem Auftritt war er noch gut mit dem Signieren und Verkaufen von CDs und Büchern beschäftigt.

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