Berufsparcours mit 670 Schülern 
Bild: Aundrup
Am Stand von Elektro Beckhoff mit Hauptsitz in Verl konnten die Schüler tüfteln. Was sie genau machen mussten, zeigten ihnen der stellvertretende Ausbildungsleiter Daniel Pohlmann (2. v. r.) und der Auszubildende Kai Auinger. Sie stellten den Beruf des Elektronikers für Energie- und Gebäudetechnik vor. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre.
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70 Betriebe – so viele wie noch nie – machten mehr als 100 verschiedene Berufe erlebbar und begreifbar. Und die Jugendlichen konnten sich orientieren, was der Arbeitsmarkt alles zu bieten hat. Kreisjugendpfleger Michael Trödel (Bild) freute sich über die große Resonanz von Seiten der Schüler und Unternehmer, die sich beim Berufsparcours in ungezwungener Atmosphäre kennenlernen konnten. „Deutschlandweit ist das der größte Berufsparcours in diesem Format. Etwas anderes sind die Messen, die in einem noch größeren Stil aufgezogen werden. Dort können die Schüler aber nichts ausprobieren. Und sie kommen meist mit ihren Eltern. Das ist bei uns anders“, so Trödel.

Schwer, Nachwuchs zu finden

Der Kreisjugendpfleger und die „Glocke“ haben sich bei den Betrieben umgehört – und fast überall dasselbe erfahren. Vor allem die Handwerker haben es schwer, Nachwuchs zu gewinnen. Aber auch Unternehmer aus anderen Branchen sagen, dass es immer schwieriger wird, geeignete Auszubildende zu finden. Der Harsewinkeler Dachdeckermeister Dieter Berheide von Berheide & Kozlik Bedachungen findet es schade, dass kaum noch jemand diesen Beruf ergreifen möchte, obwohl die Verdienstmöglichkeiten sehr gut seien. Und er nannte eine erschreckende Zahl: Kreisweit gebe es derzeit nur noch drei Azubis im ersten Ausbildungsjahr, die den Beruf des Dachdeckers erlernen wollen. „In den Jahren davor war die Zahl noch zweistellig. Und als ich meine Ausbildung 1978 begonnen habe, hatten wir im Handwerksbezirk Bielefeld noch 60 Auszubildende“, so Berheide. Trotzdem habe er am Mittwoch positive Gespräche mit Schülern geführt. „In den vergangenen Jahren sind viele einfach nur an meinem Stand vorbeigelaufen“, so Berheide.

„Mich würde am Beruf des Bäckers das frühe Ausstehen abschrecken“

Am Stand des Schenke-Markts gibt die Achtklässlerin Anna-Lena fromm und frei zu: „Mich würde am Beruf des Bäckers das frühe Ausstehen abschrecken. Ansonsten ist das ein interessanter Beruf“, sagt die Schülerin und beißt beherzt in ihren Donut, den sie am Stand mit flüssiger Schokolade überzogen hat. „Leider bekommen auch wir nicht mehr so viele Bewerbungen“, betont Margarita Braun, Abteilungsleiterin des Thekenbereichs im Harsewinkeler Schenke-Markt. Genau das sagen viele: weniger Bewerbungen, weniger Lehrlinge. „Im Handwerk suchen alle händeringend Azubis“, so Martin Börschmann, Ausbilder beim Wurstwarenhersteller Eggelbusch.

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