Bistum zieht Pater Gottfried ab
Beliebt und geschätzt in Marienfeld und darüber hinaus: Pater Gottfried Meier. Das Bistum Münster habe dem Geistlichen erklärt, dass er seine seelsorgerische Arbeit „grundsätzlich nicht richtig macht“, so Pater Gottfried in der Videobotschaft.

Das entfachte zum Osterfest einen Sturm der Entrüstung – in der ganzen Stadt und im Internet. Pater Gottfried ging am Gründonnerstag mit einer Videobotschaft an die Öffentlichkeit. 

„Es hat keine Angabe von Gründen gegeben – bis heute nicht“

Er spricht darin von „unangenehmen Gesprächen“ und „Auseinandersetzungen“ im Spätherbst. Um dann konkreter zu werden: Am 29. Januar sei ein Tiefpunkt erreicht worden. Der Abt, der Prior und der Personalchef des Bistums Münster hätten ihm mitgeteilt, dass bereits am 1. Oktober entschieden worden sei, dass „der Vertrag bezüglich meiner Person nicht verlängert wird.“ Aus welchem Grund? „Es hat keine Angabe von Gründen gegeben – bis heute nicht“, sagt Pater Gottfried in dem Video, das im Grünen und bei Sonnenschein entstanden ist – mit seinem geliebten Hund Rulle und Vogelgezwitscher im Hintergrund. Eine Szenerie, die nicht so recht passen mag zu den Dingen, die der Betrachter des Videos von dem Geistlichen erfährt. 

„Mir wurde gespiegelt, dass ich das grundsätzlich nicht richtig mache“

Pater Gottfried erklärt aus seiner Sicht, worum es in den Auseinandersetzungen mit dem Bistum gegangen ist: „Es ging um die Art und Weise, wie ich meine Arbeit mache und wo ich meine Schwerpunkte setze. Mir wurde gespiegelt, dass ich das grundsätzlich nicht richtig mache.“ Er selbst habe den Eindruck, dass er sich nichts vorzuwerfen habe. Auch habe es keine vermittelnden Gespräche gegeben: „Gerade auch im Zusammenhang mit der Kündigung des Vertrags hat sich keiner auf der unteren, mittleren und oberen Ebene des Bistums bei mir zu einem klärenden Gespräch gemeldet.“

„Es geht  weniger um den Erhalt von irgendwelchen kirchlichen Überstrukturen“

Pater Gottfried räumt ein, dass er bestimmt nicht immer alles richtig gemacht habe. Aber es sei ihm stets auch um die Menschen gegangen – und weniger „um den Erhalt von irgendwelchen kirchlichen Überstrukturen.“ 

In psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung

Offen geht der Geistliche mit seinem derzeitigen Zustand um: „Ich bin seitdem in psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung und deswegen seit geraumer Zeit auch nicht mehr in Marienfeld. Es wurde mir auch unmissverständlich klargemacht, dass ich nicht nach Marienfeld zurückkehren soll.“ Er spricht von einer depressiven Episode, aus der er langsam herauskomme. Seine Worte machen viele Gläubige fassungslos. Sie stehen hinter ihrem Pater und demonstrieren das mit einer Kundgebung und Unterschriftenaktion.

„Es hat mich wütend gemacht“

Was ihn besonders erschüttert habe, sei, dass viele von der bevorstehenden Kündigung gewusst hätten, „bevor ich es wusste“. Dass man ihm das vier Monate vorenthalten habe, „hat mich sehr erschüttert. Es hat mich wütend gemacht und mein Vertrauen in die kirchlichen Strukturen grundsätzlich erschüttert“, so Pater Gottfried, der 1962 in Saerbeck geboren wurde und sich bei seiner Familie aufhalten soll. Die Ostertage verbrachte der Geistliche aber in einem abgeschiedenen Kloster.

Kundgebung  für Pater Gottfried am 7. April auf dem Klosterhof

Am morgigen Mittwoch, 7. April, ist ab 17 Uhr eine coronakonforme Kundgebung für Pater Gottfried auf dem Klosterhof geplant. „Um ihm zu zeigen, dass die Sympathie für ihn in Marienfeld groß ist. Wir treffen uns für Pater Gottfried und für die Fortsetzung seines Wirkens in unserer Pfarrei“, so Hermann Hecker, der den Klosterspaziergang mit Albrecht Pförtner initiiert.

Das sagt das Bistum Münster zum Video des Paters

Nach der Videobotschaft des Geistlichen äußerte sich auch das Bistum Münster: „Pater Gottfried Meier, Benediktiner der Abtei Gerleve, wird die Pfarrei St. Lucia Harsewinkel und das Kloster Marienfeld verlassen.“ Mit dem Bistum habe es bisher einen Gestellungsvertrag für Pater Gottfried gegeben, der seit 2002 in Harsewinkel ist und seit 2004 in einem der Klostergebäude in Marienfeld lebt. 

„Nicht abgesprochener Weg an die Öffentlichkeit“

Abt Andreas (Gerleve) und Karl Render, der für den Einsatz der Seelsorger im Bistum zuständig ist, beziehen zur Beendigung des Gestellungsvertrags und zur Videobotschaft Stellung: „Wir bedauern, dass Pater Gottfried am Gründonnerstag diesen nicht abgesprochenen Weg an die Öffentlichkeit gegangen ist. Wir hatten mit ihm vereinbart, dass wir nach Ostern mitteilen werden, dass der Vertrag zwischen der Abtei und dem Bistum im Hinblick auf seinen Einsatz in Harsewinkel nicht verlängert wird.“ 

„Jahrelange  Problemen in der Zusammenarbeit“

Das Bistum räumt ein, dass es in der Vergangenheit immer wieder heftige Auseinandersetzungen gegeben habe. „Die Gründe dafür liegen in den jahrelangen Problemen in der Zusammenarbeit von Pater Gottfried mit der Pfarrei und den verantwortlichen Leitungen. Er sah seine Rolle sehr stark vor allem in Marienfeld und nicht so sehr in der notwendigen Teamarbeit in der Pfarrei, für die er beauftragt war.“ Vor diesem Hintergrund habe es im Oktober ein Gespräch zwischen dem Bischof von Münster und dem Abt von Gerleve gegeben, „in dem der Bischof deutlich machte, dass der Einsatz in der Pfarrei St. Lucia beendet werden wird“. 

„Ein weiterer Einsatz von Pater Gottfried dort ist keine Perspektive“

Im Anschluss habe sich der Abt von Gerleve ein Bild von der Situation in Harsewinkel und Marienfeld gemacht. „Dabei hat sich bestätigt, dass ein weiterer Einsatz von Pater Gottfried dort keine Perspektive ist“, heißt es. Der Vorwurf, den Pater Gottfried in dem Video mache, dass hinter seinem Rücken agiert worden sei, sei falsch. Es seien nur Personen über diesen Vorgang informiert worden, „die unmittelbar damit befasst waren“. 

„Gespräche werden an Beendigung des Gestellungsvertrags nichts ändern“

In der Woche nach Ostern wollten die Verantwortlichen mit Pater Gottfried über einen möglichen neuen Einsatzort sprechen. Man werde die Situation noch einmal besprechen, „ohne dass das an der Beendigung des Gestellungsvertrags etwas ändern wird“.

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