„Der Karneval der Tiere“ macht Furore
Bild: Heumüller
Gelungener Auftritt: Heinz-Peter Kortmann (hinten links) und Winfried Klasmann mit (vorn v. l.) Lukas Stefan, Jürgen Schmidt und Johanna Mara Kleineheinrich.
Bild: Heumüller

Saint-Saens schuf damit ein einzigartiges Kabinettstück musikalischen Humors. Schon nach der Uraufführung dieses feinsinnig ironischen Orchesterwerks reagierten die Zuhörer derart begeistert, dass der Komponist kurz darauf weitere Aufführungen verbot. Er ahnte wohl, dass seine „seriösen“ Werke von diesem unerwünschten Erfolg in die zweite Reihe verdrängt werden könnten. Das Befürchtete indes verhinderte er damit nicht: Sein Bekanntheitsgrad verbindet sich bis in unsere Zeit mit diesem musikalisch-parodistischen Zoospaziergang.

Saint-Saens komponierte seine musikalische Parodie zwar nicht für Kinder, gleichwohl fußt sie auf Etüden für seine kleinen Klavierschüler. Er vermutete, dass nervtötende Tonleitern und Fingerübungen an Schrecken verlören, wenn sie Tiere darstellten. Sein Plan war von Erfolg gekrönt. Er ließ immer mehr Tiere im musikalischen Gewand folgen. Schließlich schuf er daraus seine „große zoologische Phantasie“ für ein gewaltiges Orchester. Die pädagogische Grundidee hat bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt.

Das bewies Heinz-Peter Kortmann, Kantor in Krefeld, mit seiner Orgelbearbeitung, wobei er die Charaktere der Tiere durch Größe, Lautstärke und Klangfarbe der einzelnen Orgelregister symbolisiert. Kantor Winfried Klasmann rezitierte dazu die Geschichte zur Musik von Marko Simsa, und der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt: Die Löwen ziehen unter Fanfarenklängen und Gebrüll zum Karnevalsfest ein. Die Elefanten tanzen Walzer. „Stampf, zwei, drei - stampf, zwei drei“ geht es da. Kängurus mit Affenkindern im Beutel hüpfen vorüber. Sogar die Fische im Aquarium lassen Luftblasen aufsteigen. Als der Kuckuck ruft, zählen alle mit. 21 Rufe haben sie gehört. Genau richtig. Auch einige der zu Saint-Saens Zeiten bereits seligen Musikerkollegen kriegen nebenbei ihr Fett weg. Rossini erscheint unter der Rubrik Fossilien. Die Affen brandmarken die Selbstgefälligkeit der zeitgenössischen Pianisten. Schildkröten tanzen Offenbachs feurigen Can-Can mit dem Temperament einer Schlaftablette. Einziges Manko: Wer weiß, wie Saint-Saens seinen Schwan im Original feierlich majestätisch, zum Sterben schön, übers Wasser ziehen lässt, der musste sich enttäuscht fühlen. Die kleinen und großen Gäste quittierten das zweite Konzert der diesjährigen Orgelfestwochen mit Begeisterung.

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