Drittes traurige Weihnachten in Folge
Bild: Scheffler
Sorgen vor dem Fest: (v. l.) Julia und Svenja Laumann setzen alles daran, dass sich die Situation ihres Vaters und somit der ganzen Familie verbessert.
Bild: Scheffler

Vater Berthold Laumann (58) geht es gesundheitlich schlecht. Und weil sie sich im Kampf um die Zukunft ihres Vaters allein gelassen fühlen, haben die Töchter Svenja und Julia einen Hilferuf abgesetzt.

„Dass jemand nach 43 Jahren aus dem Arbeitsleben gerissen wird und dann in die unterste Schublade gesteckt wird, ist deprimierend“, sagt Ehefrau Cornelia mit Tränen in den Augen. Sarah Pollrich ergänzt als Freundin des Hauses: „Es ist schwer zu ertragen, weil man von allen abgeschmettert und verstoßen wird.“

 Aber der Reihe nach. Was ist eigentlich passiert? Am 23. Dezember 2016 erlitt Berthold Laumann einen Bandscheibenvorfall. Bis dahin hatte er Jahrzehnte als Handelsfachverpacker im Lager der Gütersloher Firma Miele gearbeitet. An diesem Tag zum letzten Mal. Denn es begann eine Leidensgeschichte, die nicht nur bis heute andauert, sondern sich zudem verschärfte. Der ersten Operation in Sendenhorst folgte eine zweite. „Bei der Reha im Mai 2018 sah es gut aus“, erzählt Ehefrau Cornelia. Doch als ein weiterer Bandscheibenvorfall ihren Mann im August umwarf, habe er nicht mehr laufen können. Bereits im Juni dieses Jahres war Berthold Laumann ausgesteuert worden. Das heißt: Die Krankenkasse stellte nach 78 Wochen die Zahlung des Krankengelds ein, und die Arbeitsagentur übernahm mit der Überweisung von Arbeitslosengeld I.

Nach zweimaliger stationärer Schmerztherapie stand Ende Juni 2019 die dritte Operation an, bei der die Wirbelsäule mit zwei Stangen und Schrauben weiter versteift wurde. „Seitdem kann sich unser Vater nicht mehr allein versorgen, nicht mehr bücken, sich nicht mehr allein anziehen und nicht mehr in ein Auto steigen“, berichtet Tochter Svenja (29), von Beruf Maurerin. Mit dem Pflegegrad zwei eingestuft, wird der 58-Jährige nun von seiner Frau betreut, die indes als Taxifahrerin viel unterwegs ist. „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, nennt Svenja Laumann den Titel eines Films, der ihrer Meinung nach auf die Situation zutrifft. Und auf den nächsten Schlag Anfang September, als sich ihr Vater das Kreuzdarmbeingelenk brach.

Erhält Berthold Laumann schon längst oder in Kürze eine Erwerbsunfähigkeitsrente? „Nein, die wurde bereits im Januar abgelehnt“, sagt die Familie. Vielmehr soll am 28. Dezember die Zahlung des Arbeitslosengelds II (Hartz IV) beginnen.

„Das ist würdelos“

Hartz IV nach einem Leben voller Arbeit. Das ist es, was Cornelia Laumann als „unterste Schublade“ bezeichnet. Tochter Julia (31), die eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin absolviert, gibt außerdem zu bedenken: „Um diese Unterstützung zu bekommen, muss man sich nackig machen, alles offenlegen und alles rechtfertigen. Das ist würdelos.“

Gegen den Bescheid der Behörde in Münster, dass Berthold Laumann noch arbeiten könne, hat die Familie mit Hilfe des Sozialverbands VDK Widerspruch eingelegt – bis jetzt noch ohne Ergebnis. „So lange er nicht reha-fähig ist, wird keine Rente durchgehen“, befürchtet Julia. Durchgegangen sei im Übrigen auch nicht der Antrag bei der Krankenkasse auf einen Taxischein, um die Fahrten zu den Ärzten und zurück ersetzt zu bekommen.

Es bleibt also finanziell eng im Hause Laumann. Und das vor dem Hintergrund, dass der in seinen Bewegungen extrem eingeschränkte ehemalige Lagerist eigentlich ein neues, behindertengerechtes Badezimmer benötigt. „Wir können nicht mehr zusehen, wie unser großartiger Papa immer weiter vor die Hunde geht“, sagen die Kinder. „Denn er ist ein Mensch, der immer hilfsbereit und für jeden da war. Dass er nun nicht mal mehr mit seinen fünf Enkeln spielen oder Enkelin Tilda vom Kindergarten St. Elisabeth, gerade mal 150 Meter entfernt, abholen kann, ist bitter.“ Außer den beiden Töchtern gibt es mit Bernd noch einen erwachsenen Sohn (34) und den 15-jährigen Nico, der im elterlichen Haus mit der Not konfrontiert wird.

Während sich Berthold Laumann wieder erschöpft hinlegen muss, nachdem er seine Krankengeschichte erzählt hat, bricht Ehefrau Cornelia zum Taxidienst auf und stellt klar: „Mein Mann ist bestimmt nicht der Einzige, dem das passiert ist, aber es ist nicht zu akzeptieren, wie er hängen gelassen wird.“

 Sie und ihre Familie hat die Hoffnung auf ein Licht am Ende des Tunnels noch nicht aufgegeben. Wer unterstützen möchte, kann sich per E-Mail an: s.laumann924@gmail.com informieren.

SOCIAL BOOKMARKS