Erzählcafé mit geballter Frauen-Power
Bild: Dresmann
Auf dem Podium in der Stadtbücherei St. Lucia: (v. l.) die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Monika Edler-Rustige, Moderatorin und Historikerin Karina Isernhinke, Gunhild Hinney, Renate Müterthies, Gerda Schnittker, Brunhilde Leßner, Mathilde Bartsch und Annette Jürgensmeier.
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 „Als politische Frau der ersten Stunde“ wurde Gerda Schnittker von Monika Edler-Rustige vorgestellt. In der Mitte der Frauenrunde hatte das SPD-Mitglied auf dem Podium Platz genommen. Als sie Ende der 1960er-Jahre in die Harsewinkeler Lokalpolitik strebte, „musste ich erst lernen, mich durchzusetzen“, erinnert sie sich zurück. Aber nicht nur sie, sondern auch ihr Mann musste den Umgang mit den Mitstreitern in der Politik erst lernen. „Der ist angesprochen worden, dass er besser auf mich Acht geben solle“, erzählt Schnittker und erntet Lacher aus der fast ausschließlich weiblichen Zuhörerschaft in der Stadtbücherei St. Lucia.

Sprüche von männlichen Politikkollegen

 Bei reichlich Kaffee und Kuchen hört das Publikum gespannt zu, als Annette Jürgensmeier aus ihrer politischen Zeit berichtet. Sie hatte bis 1984 das Amt der Vize-Bürgermeisterin inne. Als Mitbegründerin des Arbeitskreises Sozialdemokratischer Frauen, kann sie sich an Sprüche von männlichen Politikkollegen erinnern. Ein Beispiel fällt ihr schnell ein: „Du bist ja ein hübsches Mädchen, aber in der falschen Partei“, erzählt sie. Als Annette Jürgensmeier in den Rat kam, „lag die Frauenquote bei zehn Prozent“, betont Monika Edler-Rustige. Ob man damals einen Unterschied zu den männlichen Kollegen gespürt habe? Jürgensmeier zögert und antwortet schließlich: „Die Männer waren oft zu ideologisch, nicht kompromissbereit genug.“ Die Frauen hätten schon immer gut Kompromisse gefunden und Vorschläge nicht nur des Parteibuchs wegen abgelehnt oder zugestimmt – eben über Parteigrenzen hinweg, sagt Annette Jürgensmeier. Und die anderen Frauen auf dem Podium nicken zustimmend.

Manches Mal nicht „für voll genommen worden“

Renate Müterthies wurde 1994 zur ersten weiblichen Bürgermeisterin gewählt. Durch Gerda Schnittker kam sie zur SPD und schließlich in die Lokalpolitik. 1979 übernahm sie bei der Kommunalwahl einen Wahlkreis in Marienfeld. Aus ihrem knappen Sieg folgten 30 Jahre Ratsarbeit. Vor allem in ihrer Zeit als Bürgermeisterin sei sie manches Mal nicht „für voll genommen worden“, erinnert sie sich zurück. Manche Gesprächspartner hätten sich doch noch mal versichert, dass auch wirklich eine Frau die Bürgermeisterin ist. Gunhild Hinney, seit 1989 im Harsewinkeler Rat, gab den Frauen im Raum vor allem den Rat mit, „nicht zu meckern, sondern es besser zu machen. Und das geht besonders gut in der Kommunalpolitik, da kannst du was umsetzen.“

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