Familiendrama im Bus vor Gericht

Ein Eritreer (27), der vor fünf Jahren mit Frau und zwei Kindern nach Deutschland gelangt und in Harsewinkel ansässig geworden ist, muss sich seit Mittwoch vor dem Amtsgericht Gütersloh verantworten: wegen gefährlicher Körperverletzung im Linienbus 71 – ein Familiendrama.

Vorfall vom 2. Februar 2018 wieder aufgerollt

Mit der Hilfe eines Arabisch sprechenden Dolmetschers, einer Sozialarbeiterin und einer Handvoll Zeugen wurde der Vorfall am 2. Februar 2018, 17.55 Uhr, der Fahrgäste im Omnibus, Linie 71, erschüttert hatte, wieder aufgerollt. Danach hatte der Fahrer der Linie 71 auf der wenige Minuten dauernden Fahrt von Harsewinkel nach Marienfeld an der Bushaltestelle Wedekindring gestoppt und drei dunkelhäutige Männer, die sich im Bus erst verbal und dann mit den Fäusten attackierten, zum Aussteigen aufgefordert.

Beleidigende Äußerung

Einer dieser Fahrgäste besaß ein Messer mit neun Zentimeter langer Klinge. Der Stich mit einem Küchenmesser, das der 27-Jährige am selben Tag zusammen mit einigen Gläsern erworben und in seinem Rucksack verstaut hatte, traf jenen Kontrahenten, dem der Angeklagte eine bestimmte beleidigende Äußerung unterstellt hatte.

Das Opfer erscheint nicht vor Gericht

Das Opfer, das zwischen den beiden Schulterblättern eine acht Zentimeter lange Wunde davontrug, war wohl der Begleiter der Ehefrau des Angeklagten gewesen. Heute lebt er in Frankfurt. Einer Einladung zum Gerichtstermin leistete er keine Folge – doch das Gericht will auf ihn als Opfer nicht verzichten und ihn polizeilich vorführen lassen. Das Ehepaar lebte damals bereits getrennt. Die Kinder, so wurde in der schwierigen Beweisaufnahme deutlich, hielten sich mehrheitlich beim Vater auf.

Ostafrikanerin nutzt die Freiheiten der Wahlheimat

Die Ostafrikanerin nutzte die Freiheiten der Wahlheimat. Und das hieß für sie auch, sich einem anderen Mann zuzuwenden. Der Zufall dirigierte das Drama am 2. Februar 2018: Die Frau saß mit Kindern und Freund im Bus. Man wollte in Bielefeld einkaufen. Der Ehemann stieg mit seinem Freund zu, sah seinen Nachwuchs und begrüßte die Kinder. Da soll ihm der neue Mann an der Seite der Noch-Ehefrau „ein böses Wort“ – so übersetzte der Dolmetscher – entgegengeschleudert habe. Der Richter hakte an diesem Punkt nach. Zögerlich nannte der Eritreer das Wort „F...“.

Wie  eine Zeugin den Vorfall erlebt hat und wann der Prozess fortgesetzt wird, lesen Sie in der Samstagsausgabe der „Glocke“.

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