Fremder wird zum genetischen Zwilling
Bild: Aundrup
Als Dank für die Knochenmarkspende hat Toni Bernzen von der DKMS ein Buch bekommen, in dem 20 bewegende Lebensgeschichten im Kampf gegen Leukämie erzählt werden. In dem Buch sind immer wieder weiße Seiten zu finden – für andere Geschichten, die noch nicht erzählt sind, so wie die des 39-jährigen Greffeners.
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Eine Knochenmarkspende. Jede Spendergeschichte der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) ist eine andere. Toni Bernzen hat seine ganz eigene. Im Gespräch mit der „Glocke“ erzählt er sie: Als der Greffener Marc Klingebiel 2008 an Blutkrebs erkrankte und die DKMS eine große Typisierungsaktion durchführte, zögerten Toni Bernzen und seine Frau Sandra keine Sekunde. Sie ließen sich bei der Knochenmarkspenderdatei registrieren. „Für uns ist es selbstverständlich, anderen zu helfen“, sagt Toni Bernzen. Vier Jahre später erhielt der 39-Jährige Post. Von der DKMS. „Im August wurde ich angeschrieben. Ich habe gleich noch einmal Blut abgegeben und im September erfahren, dass die Gewebemerkmale passen“, erzählt der Greffener, der bei der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück technischer Leiter der Rinderabteilung ist. Am 29. November war es soweit: In der Mediapark-Klinik in Köln wurden Bernzen unter Vollnarkose gut eineinhalb Liter Knochenmark-Blutgemisch aus dem Beckenkamm entnommen. In dem Gemisch sind etwa fünf Prozent des Gesamtknochenmarks enthalten. Angst vor dem gut 45-minütigen Eingriff oder der Narkose hatte der Tönnies-Mitarbeiter nicht. „Ich bin mit dem positiven Gefühl nach Köln gefahren, dass ich einem Menschen helfen und hoffentlich das Leben retten kann“, sagt der Greffener, der für die Knochenmarkspende topfit sein musste. „Das war schon ein gewisser Druck. Denn ich wusste, wenn ich jetzt krank werde, wird mein genetischer Zwilling wahrscheinlich sterben“, sagt der 39-Jährige, der zwei Wochen vor dem Eingriff in der Kölner Klinik noch einmal komplett durchgecheckt wurde. „Ich wurde auf den Kopf gestellt“, erzählt Bernzen, dem dort auch noch einmal das ganze Prozedere genau erklärt wurde.

Gleich zwei aus einer Familie

Das steht seiner Schwester Sabrina Bernzen vielleicht noch bevor. Denn auch sie wurde vor kurzem von der DKMS angeschrieben, dass sie als mögliche Stammzellenspenderin in Frage kommen könnte. „Bei ihr steht aber noch nicht fest, ob es klappen wird“, erzählt Toni Bernzen. Auch die Greffenerin hat sich damals bei der Typisierungsaktion für Marc Klingebiel registrieren lassen. Und auch sie hat vielleicht einen genetischen Zwilling irgendwo in der Welt. „Es ist schon erstaunlich, dass gleich zwei aus einer Familie innerhalb kürzester Zeit von der DKMS angeschrieben werden. Das zeigt mir, dass sich viel mehr Menschen typisieren lassen sollten“, ist sich der 39-Jährige sicher, dass viel mehr Menschenleben gerettet werden könnten, wenn sich mehr für eine Registrierung entscheiden würden. Sicherlich, eine Spende ist kein Zuckerschlecken. Das hat auch Toni Bernzen erfahren. „Ich fühle mich immer noch ein wenig müde und schlapp und muss Eisentabletten nehmen. Bis Ende des Jahres sollte sich mein Körper aber wieder regeneriert haben“, hofft der Greffener, der auch immer noch Schmerzen im Gesäß hat. „Das ist wie bei einer Zerrung. Es wird aber weniger“, sagt Bernzen, der zwischen Weihnachten und Neujahr noch einen Termin zur Kontrolle beim Hausarzt hat. Ob Toni Bernzens DKMS-Geschichte für den Patienten aus Frankreich wie damals bei Marc Klingebiel gut ausgeht, weiß er noch nicht. „In drei Monaten erfahre ich, ob dem Mann geholfen werden konnte und ob sein Körper meine Stammzellen angenommen hat.“ Was der Greffener aber ganz sicher weiß: „Ich würde jederzeit wieder spenden.“

Weitere Hintergründe zur Stammzellenspende und Zahlen aus dem Kreis Gütersloh lesen Sie in der Weihnachtsausgabe der „Glocke“.

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