Gasthof Wilhalm wird zum Politikum

Am heutigen Donnerstag, 21. März, will er mit seinem Enkel Elias (15) die öffentliche Sitzung des Hauptausschusses besuchen. Dann geht es ab 17 Uhr im Rathaus um das Nutzungskonzept des Gasthofs, der zum Politikum geworden ist. Die Stadt hat die Gaststätte gekauft, um das alte Gemäuer vor dem geplanten Abriss zu bewahren. Achim Koriath will sich nicht entgehen lassen, was aus dem Gasthof wird, in dem er jeden Quadratmeter kennt, wie er im Gespräch mit der „Glocke“ sagt. Und auch seinem Enkel, der kein Gastronom werden will und lieber „etwas mit Immobilien“ machen möchte, ist es nicht egal, wie die Zukunft des Gebäude-Ensembles aussieht. Also kommt er mit.

„Wer dieses Haus anfasst, wird viel Ärger haben“

Achim Koriath (76) berichtet auch, dass er schon vor acht Jahren Gespräche über den Verkauf des Gasthofs geführt habe. „Ein Investor aus Harsewinkel sagte mir damals: ,Wer dieses Haus anfasst, wird viel Ärger haben.‘ Und genauso ist es ja gekommen, wenn ich an die ganzen Diskussionen um den Verkauf und dann die wieder rückgängig gemachten und die neuen Verträge denke.“

Der 76-Jährige hofft jetzt, dass an der Dr.-Pieke-Straße 2 auch künftig ein Gasthof beheimatet sein wird. Die Alternative wäre eine Begegnungsstätte, für die die Stadt Fördermittel beantragen würde. Darüber entscheiden heute die Politiker, die eine Empfehlung an den Rat geben.

Lange Historie

Achim Koriath wirft einen Blick in die Historie des Gasthofs, die Julius Wilhalm, früherer Oberverwaltungsrat und Stadtheimatpfleger, zum 200-jährigen Bestehen des Gasthofs 1988 erarbeitet hat.

„Spannend. Das ist ein Haus mit Geschichte ohne Ende. Früher waren hier die Post und der Notar Dr. Forck angesiedelt. Hier fanden die Gerichtstage und die Viehzählungen statt. Und es war nach dem Zweiten Weltkrieg das Quartier der Engländer“, sagt der 76-Jährige. Das Telefon schellt. Achim Koriath hebt ab. „Wieder eine Tischvorbestellung. Alle wollen hier noch einmal essen und ein Bier trinken, bevor wir schließen“, so der Harsewinkeler.

Am Sonntag, 31. März, ist Schluss

Am Sonntag, 31. März, ist Schluss. „Ab 17 Uhr gibt es hier zum Abschied Bratwurst und Freibier“, kündigt der Gastronom an, um dann im Gästebuch zu blättern. Dort ist nicht nur der Harsewinkeler Treppchen-Klub verewigt.

Auch finden sich darin Unterschriften von vielen Promis, die im Gasthof Wilhalm waren: Sänger Nino de Angelo („Jenseits von Eden“), der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler, Fußball-Prominenz wie Berti Vogts, Heribert Bruchhagen und Bernd Hölzenbein, Satiriker Oliver Welke, Paola Felix (ohne ihren Kurt) oder auch Schauspieler und Sänger Ilja Richter (mit Mutter und drei Hunden). „Sie waren alle hier, vom normalen Arbeiter bis zum Millionär“, erzählt Achim Koriath.

Ein ausführliche Chronologie von 1788 bis heute finden Sie in der Donnerstagsausgabe der „Glocke“. 

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