Greffenerin hütet den ersten Pfarrbrief
Bild: Aundrup
Mit dem 60 Jahre alten Greffener Pfarrbrief aus dem Jahr 1959: Elisabeth Reckenfelderbäumer (86) hat das 20-seitige Schriftstück aufgehoben.
Bild: Aundrup

Auch dieses 20 Seiten lange Dokument hat die geschichtsinteressierte Greffenerin Elisabeth Reckenfelderbäumer aufbewahrt. „Ich sammele so einiges über Greffen“, erzählt die 86-Jährige im Gespräch mit der „Glocke“ und lacht dabei ansteckend.

Bistumsarchiv bringt Klarheit

Ob es der erste Greffener Pfarrbrief ist, weiß Elisabeth Reckenfelderbäumer (86) nicht. Auch der Harsewinkeler Stadtarchivar Eckhard Möller kann in dieser Frage nur ans Bistumsarchiv Münster verweisen. „Ich weiß nur, dass in Pfarrgemeinden im Ruhrgebiet bereits in den 1910er-Jahren die ersten Pfarrbriefe erschienen sind. Wie das im ländlichen Bereich war, kann ich nicht sagen“, erklärt Eckhard Möller.

Lennart Metken von der Abteilung Kulturelle Überlieferung des Bistumsarchivs Münster schaut für die „Glocke“ in der Datensammlung des Außenmagazins nach. Und dort datiert der erste Greffener Pfarrbrief auf Januar 1959. Es ist genau das Exemplar, das auch Elisabeth Reckenfelder aufbewahrt hat. „Aus Harsewinkel und Marienfeld haben wir leider keine Pfarrbriefe“, sagt Metken. „Die ersten Pfarrbriefe finden sich in unseren Beständen nach dem Zweiten Weltkrieg, ganz vereinzelt auch schon während des Krieges“, betont der Archivar des Bistums Münster. Über diese Nachricht aus der Domstadt freut sich Elisabeth Reckenfelderbäumer, die aus Haltern stammt und 1958 der Liebe wegen nach Greffen zog. Ihren mittlerweile verstorbenen Mann Rudolf heiratete sie auch in dem Jahr.

„Damals hatte der Geistliche noch mehr Einfluss“

1959 brachte sie den Pfarrbrief aus der St.-Johannes-Kirche mit. „Früher waren die Gottesdienste noch sehr gut besucht. Sonntags gab es um 6.30, 9 und 10 Uhr Messen. Und in der Woche auch an jedem Morgen. Damals hatte der Geistliche noch mehr Einfluss“, erzählt die Seniorin. Und sie berichtet von einem Beispiel: „Kaplan Terodde hat einmal von der Kanzel gewettert, dass man das Puddingpulver auch samstags einkaufen könne und nicht sonntags. Irgendwann nach dieser Predigt hatten die Geschäfte in Greffen dann am Sonntag nicht mehr geöffnet.“

„Er war geradeaus und sagte, was er dachte“

Die Greffenerin erinnert sich daran, dass Alois Terodde gut predigen konnte: „Er war geradeaus und sagte, was er dachte.“ Und er schrieb auch, was er dachte. Nachzulesen in dem Pfarrbrief von 1959. So berichtete er von Frauen und Müttern, deren eigentliche Aufgabe „im Heim und in der Familie liegt“ und es deshalb über öffentliche Veranstaltungen für das weibliche Geschlecht auch nicht allzuviel zu berichten gebe.

9 Pfarrer in 155 Jahren

In der Einleitung, die mit „Grüß Gott!“ überschrieben ist, würdigt Kaplan Alois Terodde auch seinen verstorbenen Vorgänger, „unser Hochwürdiger Pfarrer Heinrich Wörmer“, der fast 24 Jahre in der Greffener Gemeinde gewirkt habe. Und er erinnert an all die vorherigen Pfarrer von 1803 bis 1958 der St.-Johannes-Gemeinde – etwa an Franciscus von der Beck (1803 bis 1829), Gerhard Upmeyer (1853 bis 1872), Johannes Gedicke (1895 bis 1911), Rudolf Pompey (1911 bis 1926) oder Bernhard Fenneker (1926 bis 1934). 9 Geistliche in 155 Jahren hat er feinsäuberlich aufgelistet, samt Geburtsort, Datum der Priesterweihe und Sterbedatum. Bis auf zwei Ausnahmen sind all diese Pfarrer auch in Greffen beerdigt worden, wie dem Pfarrbrief zu entnehmen ist.

„Oft genug haben die Kühe im Stall viel christlichere Namen als die Kinder“

Alois Terodde ging auch auf weitere Statistiken ein – etwa die Taufen. Im Zeitraum zwischen 1954 und 1958 sind demnach 109 Knaben und 105 Mädchen getauft worden, zusammen 214 Kinder. Und Terodde lässt sich über den „deutlichen Wandel des Geschmacks bei den Vornamen“ aus: „Oft genug haben die Kühe im Stall viel christlichere Namen als die Kinder“, so ein Kommentar des Geistlichen. Außerdem merkte er an, dass es für ihn erstaunlich sei, wie unbekümmert viele Menschen eine Ehe eingehen. Sein Tipp: eine Vorbereitung der künftigen Eheleute durch Brautexerzitien. Und auch zu diesem Thema hatte der Kaplan Zahlen parat: 61 Trauungen von 1954 bis 1958 (davon 23 auswärts geschlossen, also nicht in St. Johannes Greffen).

„Dieses gute Stück werde ich behalten“, sagt Elisabeth Reckenfelderbäumer, die außer dem Pfarrbrief und anderen Dokumenten aus Greffen auch noch alte Liederhefte – etwa aus dem Jahr 1906 für zehn Pfennige – in ihrem privaten Fundus hat.

SOCIAL BOOKMARKS