Härtere Zeiten für die Dauerparker
Bild: Aundrup
Mit der Begrenzung der Parkzeit und Parkscheiben könnten die Dauerparker aus der Innenstadt vertrieben werden.
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Schon Ende November 2017 hatte Göbbels die Parkplatzsituation im Harsewinkeler Zentrum genauer unter die Lupe genommen. Sein damaliges Fazit: Objektiv gesehen gebe es in der City ausreichend Stellflächen. Wenn man aber die Bürger fragt, die zum Einkaufen in die Stadt fahren, sind es zu wenige. Ende vergangenen Jahres bekam der Planer aus Aachen Hausaufgaben mit auf den Weg. Er sollte noch einmal schauen, an welchen Stellschrauben man drehen könne, um die gefühlte Parkplatznot zu lindern. Göbbels Vorschlag: „Man sollte die Parkdauer beschränken und die Regelung mit der Parkscheibe ausweiten. Somit bekommt man die Dauerparker aus dem Zentrum heraus.“ Das heißt im Klartext: An einigen Stellen, wo es bisher keine Parkzeitbeschränkung gibt, soll künftig die Parkscheibe ins Auto gelegt werden. Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung sollen einen Parkausweis bekommen, so der Vorschlag des Aacheners.

Vorschlag schnell umzusetzen

Er findet die Idee gut – vor allem, weil sie schnell umgesetzt werden und zügig eine Entlastung bringen kann. Die Lokalpolitiker fassten in der jüngsten Sitzung noch keinen Beschluss. Sie wollen das Ganze erst einmal sacken lassen und fraktionsintern darüber beraten, bevor sie endgültig entscheiden. Das gilt im Übrigen für den kompletten Verkehrsentwicklungsplan und nicht nur fürs Parken. Der Experte ging auch auf die Verkehrsströme ein. Bis zum Jahr 2035 prognostizierte er mehr Arbeitsplätze bei Claas und damit ein höheres Verkehrsaufkommen allein durch das Landtechnikunternehmen. Von einer weiteren Verkehrszunahme geht Alexander Göbbels auch aus, wenn er das geplante Gewerbegebiet am Flughafen betrachtet. Er sprach von gut 4000 Beschäftigten, die in Zukunft vermutlich dort arbeiten werden. Somit rechnet er allein dadurch mit einem zusätzlichen Verkehrsaufkommen von geschätzt 10 650 Fahrten pro Tag. „Dabei ist der Hauptanteil der Ziel- und Quellverkehre zum Flughafen über die Bundesstraße 61 und die Autobahn 2 zu erwarten und weniger über die Bundesstraße 513 aus Fahrtrichtung West“, machte Alexander Göbbels deutlich.

Auswirkungen der Ortsumgehung

Im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplans betrachtete Planer Alexander Göbbels unter anderem auch die Auswirkungen der geplanten Ortsumgehung: Auf der neuen Trasse rechnet der Aachener mit rund 13 500 Fahrzeugen pro Tag. Aber auch auf der Bundesstraße 513 werden laut der Prognose je nach Streckenabschnitt immer noch zwischen 2000 und 9400 Fahrzeuge täglich unterwegs sein, so Alexander Göbbels. Die Entlastung auf der B 513 liege zwischen 50 und 85 Prozent. „Es ist eine Illusion, dass künftig alle Fahrzeuge auf der geplanten Umgehungsstraße unterwegs sind. Das ist unrealistisch. Aber für die Anwohner der B 513 ist eine deutliche Entlastung zu erwarten“, betonte Alexander Göbbels. Von der Initiative Harsewinkeler Bürgerbeteiligung ist außerdem ein Schreiben mit der Aufforderung zu Sofortmaßnahmen zur Immissionsreduktion auf der Bundesstraße 513 an die Stadtverwaltung gegangen. Auch darauf ging Göbbels ein.

Forderung nach Geschwindigkeitsreduzierung

Er griff unter anderem die Forderung nach einer Geschwindigkeitsreduzierung auf und bezog sich damit auf eine frühere Aussage des Kreises Gütersloh: „Tempo 30 kann zu einer Reduzierung des Lärms um drei Dezibel führen. Das ist jedoch für das menschliche Gehör kaum wahrnehmbar – insbesondere bei einem hohen Schwerlastanteil und den dadurch bedingten Brems- und Anfahrgeräuschen. Auch kam bei der Initiative die Frage auf, ob Fahrverbote für bestimmte Verkehre in der Nacht festgelegt werden können. Die klare Antwort des Planers: Nein. Warum? „Die Bundesstraße verfolgt den Zweck, den überörtlichen Verkehr – insbesondere den Schwerverkehr – abzuwickeln. Damit würde eine Sperrung für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen dem gesetzlich verankerten Zweck dieser Straße zuwiderlaufen.

Visionen zum Radverkehr

Zum Verkehrsentwicklungsplan gehört auch der Radverkehr: „Die Hauptrouten zu den Nachbarstädten sollten auch eine idealere Radwegeverkehrsführung haben“, so der Aachener Planer. Allerdings sei es schwer, Radwege anzulegen, wenn die Stadt nicht im Besitz der entsprechenden Flächen sei. Der Anteil des Radverkehrs liege in Harsewinkel bei 31,5 Prozent. „Das sollte auf 40 Prozent gesteigert werden“, so die Prognose des Planers. Seine Visionen: eine Anbindung an einen Radschnellweg nach Gütersloh, breitere Geh- und Radwege, alle Strecken des Alltagsroutennetzes mit einer Radverkehrsführung ausstatten.

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