Kanalwärter fischt Ehering aus Abwasser
Bild: Aundrup
Ludger Wenner taucht gesichert in Harsewinkels „Unterwelt“ ab.
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 „Sie glauben gar nicht, was man da unten alles findet“, baut Ludger Wenner Spannung auf. Und dann sprudelt es nur so aus ihm heraus: „Anfang der Woche habe ich aus dem Kanal noch ein Gebiss geholt. Das ist schon das zweite.“ Auch einen Ehering hat der 45-Jährige bereits aus dem Abwasser geangelt. „Das ist allerdings schon ein paar Jahre her. Wir haben später erfahren, dass das Paar geschieden ist. Aus Wut wurde der Ring die Toilette hinuntergespült“, berichtet der Kanalwärter, der seinen Job auch nach all den Jahren immer noch gern macht. „Er ist einfach sehr abwechslungsreich.“

Wenn er Besteck findet, ärgert sich Ludger Wenner

Wenner ärgert sich, wenn er mal wieder Besteck in den Kanälen entdeckt. „Die Leute kratzen mit Messer, Gabel und Löffel die Essensreste in die Toilette – und dabei fällt das eine oder andere Stück schon mal in den Abfluss. Das muss nicht sein, zumal Essensreste für das Klosett tabu sind“, betont der Harsewinkeler. Zu mehr als 90 Prozent ist er über Tage tätig. „Die Rohre werden mit der Maschine gespült. Und so saugen wir im Regelfall auch den Dreck heraus.“ Wenn er aber dann doch einmal hinuntergeht, dann muss ein zweiter Mann dabei sein. Geht es tiefer als einen Meter, dann legt Ludger Wenner das Sicherheitsgeschirr an und lässt sich abseilen. „Fast wie beim Bergsteigen, es geht nur eben nicht nach oben“, lacht der Kanalwärter. Sein Kollege Frank Wulfhorst misst vorher den Gaswert. „Der muss bei null liegen, sonst wird es unten zu gefährlich. Je höher die Gaskonzentration, desto schneller wird der Geruchssinn betäubt. Im Ernstfall kann man umkippen“, erläutert Wulfhorst. In bis zu vier Meter Tiefe kann es hinuntergehen. „Da ist es wichtig, dass alles vorab gecheckt wird“, so Wenner, der die Kanäle, die einen Durchmesser von bis zu 1,80 Meter haben, regelmäßig wartet und spült. „Deshalb sind die städtischen Rohre auch gut in Schuss“, berichtet der Kanalwärter, der weiß: „Die Stadt hat Millionen in die Erde gebuddelt. Das ist ein großes Kapital, das gepflegt werden muss.“ Wenn Ludger Wenner erzählt, merkt man, dass er seine Arbeit liebt. Und daher räumt er auch gleich mit einem weiteren Vorurteil auf: „Viele denken, dass es in den Kanälen ganz übel riecht. Das ist aber gar nicht so wild.“

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