Nachbar ärgert sich über  „Kahlschlag“
Bild: Aundrup
Zeigt auf die gefällten Erlen am Regenrückhaltebecken: Der Marienfelder Norbert Brodtmann (72) ärgert sich über den „Kahlschlag“ neben seinem Haus: „Vorher war es wunderschön hier.“
Bild: Aundrup

Auch deshalb, weil er und die anderen Anlieger im Vorfeld überhaupt nicht über die Maßnahme informiert worden seien, wie er sagt: „Da hat es niemand für nötig gehalten, die Nachbarn anzuschreiben.“

Die Motorsäge kreischt

Mittwochmorgen, 8 Uhr: Norbert Brodtmann hört draußen die Motorsäge kreischen. Er wundert sich und schaut nach, was dort vor seiner Tür passiert. „Zuerst dachte ich, der Nachbar schneidet seine Hecke. Dem war aber nicht so. Stattdessen sah ich schon den ersten Baum fallen“, schildert der Diplom-Ingenieur seine Beobachtungen gegenüber dieser Zeitung. „Ich bin wahrlich kein Grüner. Aber alle schreien nach Umweltschutz. Und dann das. Das pervertiert sich hier selbst. Ich bin entsetzt“, sagt der 72-Jährige, der vor vier Jahren von Isselhorst ins Klosterdorf gezogen ist.

Kein Verständnis dafür, wenn gesunde Bäume gefällt werden

Er habe kein Verständnis dafür, dass so viele gesunde Bäume gefällt würden: „Diese Laubbäume sind doch für die Photosynthese wichtig“, so der Marienfelder, der auch von einer „Nacht- und Nebel-Aktion“ spricht. Brodtmann geht von rund 50 bis 60 Bäumen aus, die bisher schon gefällt worden sind. Und am Donnerstag gingen die Arbeiten weiter. Der Marienfelder spricht auch davon, dass das dortige „Biotop“ verschoben werden solle. Auch das bedauere er sehr, wie er betont. Er habe gehört, dass die Bäume dem neuen Baugebiet Remse III weichen müssten.

„Erlen haben sich will ausgesät“

Diese Zeitung sprach nach dem Treffen mit Norbert Brodtmann am Donnerstag auch mit Andreas Kroh  von der Tiefbauabteilung der Stadt. Er erklärte, warum die Bäume jetzt relativ schnell weichen müssen. „Die Erlen haben sich dort am Regenrückhaltebecken vor Jahren wild ausgesät. Sie dürften dort am Regenrückhaltebecken – das ist kein natürliches Biotop, auch wenn es vielleicht so aussehen mag – eigentlich gar nicht stehen. Der Sohlbereich muss frei sein. Der Bewuchs hat dort extrem zugenommen“, so Andreas Kroh. Im Zuge der Planungen für das neue Baugebiet Remse III müsse dieses Regenrückhaltebecken nun vergrößert werden. Es werde nicht verschoben, sondern erweitert. „Und deshalb müssen die Bäume an der Seite, wo die Erweiterung geplant ist, gefällt werden“, stellt Andreas Kroh am Donnerstag klar.

Warum musste alles so schnell gehen?

Warum muss alles so schnell gehen? Auch darauf hat der Mitarbeiter der Stadtverwaltung eine Antwort: „Der Bauhof hatte eigentlich schon Anfang Februar den Auftrag, die Erlen zu fällen. Allerdings kamen uns die Sturmschäden dazwischen, so dass die Bauhofmitarbeiter mit Aufräumarbeiten beschäftigt waren.“ Somit hätten sich die schon eher geplanten Arbeiten verzögert.

Deshalb sei jetzt eine Firma beauftragt worden. „Das ist holterdiepolter gegangen, weil vom 1. März bis 31. Oktober laut Bundesnaturschutzgesetz ein Fällverbot gilt. Deshalb mussten wir schnell tätig werden, ansonsten hätten wir die Arbeiten erst wieder im November durchführen können“, erklärt Andreas Kroh.

Bebauungsplan existiert seit 1996

Er betont auch, dass die Bäume auf der anderen Seite derzeit nicht gefällt werden. Warum hat die Stadt nicht über die Fällung informiert? „Die Pläne für das Baugebiet, die Erschließung und die nötige Vergrößerung des Regenrückhaltebeckens wurden in den Ausschüssen vorgestellt. Das hat in der Zeitung gestanden“, so Kroh. Um mit der Erschließung des Baugebiets Remse III – wenn der Bebauungsplan abgesegnet ist – so schnell wie möglich und ohne Verzögerungen starten zu können, müsse die Baumfällung vor dem 1. März abgeschlossen sein. Dass dort ein Baugebiet entstehe, sei auch keine Überraschung, betonte Kroh. Der Bebauungsplan existiere bereits seit 1996. Zuerst ist das Baugebiet Remse I entstanden, dann folgte Remse II und nun eben Remse III. Das sind alles eigenständige Baugebiete, für die es ein langgezogenes Regenrückhaltebecken gibt.

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