Pilot schafft vor 50 Jahren die Sensation
Bild: Frielinghaus
International bekannt und geschätzt ist der Modellflugverein Ikarus in Harsewinkel. Auf dessen Flugplatz startete vor 50 Jahren der erste Modellhubschrauber. Eine Sensation, wie Andreas Kasselmann weiß. Das Originalplakat hat er aufgehoben.
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Sie reisten aus der ganzen Welt an, um an dem bis dato Unmöglichen teilzuhaben. Im Gegensatz zu Modellflugzeugen, auf deren Grundlage im Zweiten Weltkrieg Militärflugzeuge gebaut wurden – „anhand der Modelle testeten die Ingenieure die Flugfähigkeit ihrer Flieger“, erklärt der Pressewart des Flugclubs –, war es beim Hubschrauber genau andersherum. Zuerst gab es den großen Helikopter (1907), 61 Jahre später das erste Modell.

Fliegen ist Balance-Akt

Grund dafür sei die komplexe Technik gewesen, die das Fluggerät in der Luft hält. „Hubschrauber besitzen keine Gleitfähigkeit so wie Flugzeuge. Sie sind instabil“, erläutert Kasselmann. Piloten großer Helis benötigten beide Füße und Hände, um sie zu steuern. Vergleichbar sei das mit dem balancieren einer Kugel auf einer gewölbten Oberfläche, erläutert der Hobbypilot: „Und das Fiese ist, dass sich diese Fläche auf und ab bewegt.“ Eine 1:1-Kopie anzufertigen, schien daher unmöglich.

Die Wende brachte schließlich der aus Wiesbaden stammende Dieter Schlüter in den 1960er-Jahren. „Er ist der Vater des Modellhubschraubers“, sagt Kasselmann. Schlüter gewann den vor 50 Jahren vom Ikarus Harsewinkel ausgeschriebenen und hoch dotierten Hubschrauber-Wettbewerb, obwohl er mit seinem Modell lediglich zwei kleine Hüpfer schaffte. Eine Sensation, denn bis dahin gab es nur flugunfähige Hubschrauber-Modelle.

Technischer Durchbruch nach zwei Jahren

Zwei Jahre später gelang ihm dann der Durchbruch. Schlüter stellte am 20. Juni 1970 mit einer Flugzeit von 27 Minuten und 51 Sekunden den ersten Weltrekord mit einem Hubschrauber auf.

Obwohl sich bis heute mit Blick auf die technischen Möglichkeiten viel getan hat, ist es noch immer kein Kinderspiel, einen Modellhubschrauber zu fliegen. Viel mehr ist es eine Kunst, die höchste Konzentration und Fingerspitzengefühl bedarf. „Wenn man den Schwebeflug nicht beherrscht, hat man schon verloren“, sagt Kasselmann.

Ausstellung und Flugshow

Den ehrwürdigen Tag vor 50 Jahren wollen die Modellflieger des Ikarus bei den diesjährigen Flugtagen an Pfingsten, 19. und 20. Mai, aufleben lassen. Abgesehen von einer Ausstellung, in der auch Exponate aus dem Hubschrauber-Museum Bückeburg zu sehen sein werden, sollen flugfähige Hubschrauber vorgeflogen werden. Dafür sind speziell Piloten angesprochen, die Modelle älterer Baujahre besitzen.

Anmeldung unter Tel.: 05247/1719 oder per E-Mail an info@luftzirkus.com.

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