Prachtfassade der Klosterkirche rekonstruiert
Bild: Darhoven
So dürfte die Westfassade der Klosterkirche mit Portal, Fensterrose und Schmuckgiebel 1222 ausgesehen haben: Leonhard Sieweke (l.) und Andreas Sassen vor Sassens Zeichnungen.
Bild: Darhoven

Im Jahr 2000 muss das architektonische Kleinod – vor allem aus Brandschutzgründen – wieder zugemauert werden. Andreas Sassen hat durch akribische Forschung jetzt die gesamte Kirchen-Westfassade, die um das Jahr 1700 mit dem Bau der Abtei zerstört – weil zugebaut – wurde, in Zeichnungen rekonstruiert. Leonhard Sieweke vom Klosterhofkreis Marienfeld ist begeistert: „Solche Zeichnungen hat es noch nie gegeben.“ Um die Arbeit Sassens zu würdigen, wird am 21. Januar eine Ausstellung in der Alten Abtei eröffnet.

Andreas Sassen, Brennmeister im Ruhestand und wohnhaft in Solingen, betreibt die Geschichtsforschung als intensives Hobby. 1999, kurz bevor die freigelegte Fensterrose wieder zugemauert werden musste, stieg er ins Dachgebälk der Abtei und vermaß, was er nach weiteren Jahren der Forschung nun auf Papier gebannt hat. Er beherrscht das maßstabsgetreue Zeichnen. Und so liegen nun Ansichten vor, wie die Westwand der Klosterkirche, die Sassen als „die einstige Prachtfassade Marienfelds“ bezeichnet, zwischen zirka 1220 und 1700 ausgesehen haben dürfte, bevor sie zunächst von einem später gebauten Richthaus verstellt wurde und schließlich mit der Errichtung der barocken Abtei sozusagen in der Wand verschwand.

Letzte Zeichnung stammt von 1938

Als Vorlagen dienten Sassen eine rudimentäre Zeichnung von 1938 und das, was er gesehen und vermessen hatte. Unter anderem durch Abgleiche mit anderen Kirchen des frühen 13. Jahrhunderts arbeitete er sich zur wahrscheinlichsten Version vor: Die Steinmetze fertigten aus 30 Zentimeter dicken Sandsteinplatten eine beeindruckende Rose mit einem Durchmesser von 5,50 Metern, Spitzbogenöffnungen und einem aufgesetzten achtarmigen Speichenrad (Arkade) über dem damaligen Haupteingang. „Dieses Prinzip der Marienfelder Rose blieb in der Baukunst einzigartig“, so Sassen. Die Zwischenräume wurden mit roten Ziegeln aufgefüllt und es wurden graue Bleiglastafeln eingesetzt.

Westseite als feierliches Festkleid

Mit Stufenportal, Rose und Schmuckgiebel bot die Westfassade den Würdenträgern bei der Kirchweihe am 4. November 1222 wohl einen prächtigen Anblick. „Die Klosterkirche bekam durch die erlesene Architektur der Westseite ihr feierliches Festkleid“, bekräftigt Andreas Sassen.

Ausstellung und vier Vorträge in der Alten Abtei

Der Klosterhofkreis Marienfeld lädt zu fünf Veranstaltungen in der Alten Abtei ein. Zunächst wird die mit den Forschungsergebnissen von Andreas Sassen bestückte Ausstellung „Rekonstruktion der Westwand der Abteikirche“ am Sonntag, 21. Januar, von 15 bis 17 Uhr offiziell eröffnet.

Es folgen vier Vorträge, in denen Professor Dr. Paul Leidinger, Experte für das Marienfelder Kloster, allein oder zusammen mit Andreas Sassen verschiedene Aspekte rund um das Kloster aufgreift. Die Termine und Themen in der Übersicht:

Sonntag, 4. Februar, 11 Uhr: „Die Gründung der Abtei Marienfeld 1185 und ihr reichspolitischer und theologischer Zusammenhang“ (Leidinger).

Sonntag, 18. Februar, 11 Uhr: „Neue Forschungen zur Baugeschichte von Kirche und Kloster – Die Marienfelder Bauhütte“ (Leidinger/Sassen).

Sonntag, 4. März, 11 Uhr: „Marienfelder Klostergeschichte vom Mittelalter bis zum Barock“ (Leidinger/Sassen).

Sonntag, 18. März, 11 Uhr: „Die Aufhebung des Klosters Marienfeld durch Preußen mit der Säkularisation 1803 und sein Nachleben“ (Leidinger)

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