Skurrile Machenschaften im Fitnessstudio
Auf der großen schwarzen Wand mitten im Fitnessstudio wird unter anderem auch der Papst erwähnt. Neben ihm steht das Wort „Hure“.

Um Teil der Erbengemeinschaft Jakob zu werden, werden 100 Euro für eine „Lebendmeldung“, wie es das Ephi-Zentrum nennt, fällig. Mittlerweile ermittelt die Polizei. Auch der Staatsschutz Bielefeld, das Ordnungsamt der Stadt und der Kreis sind informiert.

Bei dem Ephi-Zentrum soll es sich um eine religiöse Sekte unter der Führung eines „Priesters“ handeln, der sich Ephraim nennt. Ephraim war mit seinen Jüngern zuvor in Iserlohn (Sauerland) ansässig. Aus Iserlohner Rathaus-Kreisen erfährt die „Glocke“ am Mittwoch: „Es geht schon in die Richtung von religiösen Reichsbürgern, die keine staatlichen Instanzen anerkennen.“

Das Fitnessstudio Elite wird seit mehr als zehn Jahren von einem Harsewinkeler betrieben, der auch Mitglied des Integrationsrats ist. Bis Redaktionsschluss äußerte sich der Geschäftsführer aber nicht zu den skurrilen Entwicklungen in seinem Studio. In Internet-Videos bekennt er sich aber eindeutig zur Erbengemeinschaft Jakob und zu seinem „Berater“ Ephraim.

Die Rede ist von Gehirnwäsche

Vor gut drei Jahren sollen sich der „Priester“ und der Fitnessstudio-Chef erstmals begegnet sein. Die Sportler, die den früheren und den heutigen Betreiber kennen, sprechen von einer Gehirnwäsche. Damals sei er immer weiter in die religiöse Schiene gerutscht und habe sich immer weniger um das Fitnessstudio gekümmert.

Laut Aussage von Studiomitgliedern kündigen immer mehr Sportler ihre Verträge. Einige Eltern, deren Kinder dort trainieren, haben bei der Polizei Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz erstattet, wie Polizei-Pressesprecherin Katharina Felsch bestätigte. Und es gibt offenbar auch nur noch einen Trainer. „Alle anderen sind bereits weg“, sagt einer der Sportler.

Suspekt: große schwarze Wand

Suspekt ist ihm auch eine große schwarze Wand, auf der Fotos aller möglichen Persönlichkeiten zu finden sind – von Papst Franziskus und dem emeritierten Papst Benedikt, neben denen das Wort „Hure“ steht, über Kanzlerin Angela Merkel bis hin zur Harsewinkeler Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide und Unternehmer Helmut Claas. Sie alle seien schuldig am derzeitigen System. Ephraim wolle als Messias den Papst ablösen, berichten Studiobesucher, die eigentlich trainieren wollen, dann aber mit Befreiungstheorien konfrontiert werden, die die meisten nicht hören wollen: Der „Priester“ wolle die Weltordnung ändern, kündigte er an.

Staatsschutz eingeschaltet

Einige Anzeigen sind bereits bei der Kreispolizeibehörde in Gütersloh eingegangen. Demnach sollen Drogen in dem Fitnessstudio konsumiert werden. Auch der für Reichsbürger typische „Sprech“ ist ins Studio eingezogen – das belegen auch Videos im Internet. „Wir habe das Ganze auch an den Staatsschutz in Bielefeld weitergeleitet. Mit den Kollegen aus Bielefeld haben wir uns abgestimmt. Wir sind nicht untätig“, sagte Polizei-Pressesprecherin Katharina Felsch.

Michael Kötter vom Staatsschutz Bielefeld äußerte sich so gegenüber der „Glocke“: „Der Staatsschutz hat das überprüft. Allerdings haben wir nichts strafrechtlich oder politisch Motivierendes erkannt. Daher ermitteln wir in diesem Fall nicht.“

Kreis überprüft das Ganze

Auch der Harsewinkeler Ordnungsamtsleiter Michael Bergholz hat vor wenigen Tagen Hinweise auf das, was in dem Elite-Fitnessstudio vor sich geht, bekommen: „Demnach sollen auf dem Gelände in einem Geräteschuppen Leute hausen.“ Auch sei ihm von dem Drogenkonsum berichtet worden („Dort soll gekifft werden“) und davon, dass Personen in dem Studio leben. „Dabei handelt es sich um ein gewerbliches Objekt.“ Er habe recherchiert und daraufhin die Polizei sowie die Bauordnungsbehörde des Kreises informiert.

„Die Glocke“ hat auch beim Pressesprecher des Kreises Gütersloh, Jan Focken, nachgefragt, wie der Stand der Dinge ist. „Wir haben Hinweise aus der Kommune bekommen und werden das Ganze jetzt erst einmal überprüfen.“ Nun müsse geschaut werden, ob das Fitnessstudio als Wohnraum genutzt werden dürfe und ob das überhaupt genehmigungsfähig wäre, machte Jan Focken deutlich.

Wie die Sportler im Studio die Entwicklung sehen und was mit dem abgetrennten Bereich des Reha-Sports passiert, lesen Sie in der Donnerstagsausgabe der „Glocke“.

SOCIAL BOOKMARKS